Khol besucht Moschee der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien Rede des Nationalratspräsidenten im Wortlaut

Wien (PK) - Khol besucht Moschee der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien Rede des Nationalratspräsidenten im Wortlaut

Über Einladung des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Prof. Anas Schakfeh, besuchte der Präsident des Nationalrates, Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol
heute das Freitagsgebet in der Moschee in Wien 15. Dabei wurde er
zu einer Ansprache an die vor dem Festtagsgebet Versammelten eingeladen. Wir bringen die Rede des Nationalratspräsidenten im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Gläubige! Gerne bin ich der Einladung zum Besuch Ihrer Moschee und Ihres
Freitagsgebets gefolgt. Ich bin gläubiger Katholik, interessiere mich daher seit langem für das Leben der anderen in Österreich wirkenden Kirchen und Religionsgesellschaften. So besuchte ich zuletzt Gottesdienste der russisch-orthodoxen Kirche, der rumänisch-orthodoxen Kirche und lade Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde ebenso ins Parlament ein, wie Vertreter der
Muslime in Österreich.

Ich tue dies im Bewusstsein der Achtung und des Respekts vor den Glaubensüberzeugungen der Mitmenschen – Glaubensüberzeugungen, die in Europa durch die im Verfassungsrang stehende Europäische Menschenrechtskonvention ebenso geschützt werden, wie durch die verbindliche Europäische Grundrechtscharta der Europäischen
Union.

Religion und Glaube sind wichtig für die Persönlichkeit und die Identität jener, die glauben. Sie schaffen Orientierung, Beheimatung und Grundwerte, geben oft die Grundlage für geglückte zwischenmenschliche Beziehungen, geben den Gläubigen Sicherheit
und tragen zu ihrem Wohlergehen bei. Die Religionsgesellschaften haben aber auch wichtige Gemeinwohlaufgaben: in der Bildung und Ausbildung, in der materiellen und ideellen Hilfe für bedürftige Menschen, in der Förderung der Jugend und der Familien, in der Betreuung der Alten und Kranken.

Auf Grund dieser wichtigen Funktionen werden in Österreich Religionsgesellschaften anerkannt, genießen den Status einer Körperschaft Öffentlichen Rechts, haben die volle innere Autonomie, haben die Freiheit des Religionsunterrichts, der vom Staat gefördert wird. Diese Partnerschaft zwischen Religionsgesellschaften und Staat bedeutet auch die Verpflichtung zur Gesetzestreue, zum Gewaltverzicht und zum Pluralismus.

Seit 1912 ist der Islam in Österreich gesetzlich anerkannt. Das Verhältnis hat sich organisch über fast 100 Jahre entwickelt und wurde ein Modell des guten Zusammenlebens.

Seit dem Jahre 1912 hat sich der Islam in Österreich zu einer der wichtigen und großen Glaubensgemeinschaften entwickelt. Er ist
für unseren Staat nicht die Religion eines weit entfernten
Gebietes oder von Fremden, sondern die im ganzen Land verbreitete Religion von Österreicherinnen und Österreichern und von anderen Menschen.

Ich bin dankbar für die guten Kontakte zwischen der Islamischen Glaubensgemeinschaft und dem Staat, und mit dem Parlament. Mit großer Freude habe ich auch die Einladung zur Imamekonferenz am
7. April dieses Jahres und die Einladung zu einer Grußadresse angenommen. Diese Imamekonferenzen in Österreich waren schon in
der Vergangenheit sehr wichtig und haben Grundlegendes geleistet. Sie haben den Islam in Europa und in Österreich geprägt und ich kann die Grundsätze dieser Konferenzen nur unterstreichen und wiederholen. So hat die Europäische Imamekonferenz 2003 in Graz Wichtiges beschlossen und klargestellt:

die Ablehnung der Gewalt,
das Bekenntnis zum Pluralismus,
die Achtung der Menschenrechte aller,
die Bedeutung der Integration in die Gesellschaft.

Die Österreichische Imamekonferenz vor einem Jahr in Wien hat auf dieser Grundlage Richtungsweisendes festgehalten und den Weg der Muslime in Österreich festgelegt:

Die Muslime empfinden sich als Teil der österreichischen Gesellschaft und treten für ein friedliches Miteinander aller religiösen Gruppen ein;
die Muslime verurteilen Gewalt, insbesondere alle terroristischen und extremen Gewaltakte auf der Welt;
sie bekämpfen aktiv den Rassismus und Extremismus;
der Islam erlaubt es nicht, andere religiöse Überzeugungen, Symbole und Werte zu verhöhnen.

Im Bewusstsein dieser Beschlüsse und der diese Beschlüsse achtenden Praxis der Islamischen Glaubensgemeinschaft in
Österreich führe ich gerne den Dialog mit Ihnen. Sie haben sich damit als Teil des europäischen Lebens- und Gesellschaftsmodells bekannt, das durch Meinungs- und Religionsfreiheit ebenso gekennzeichnet ist, wie durch Toleranz, Solidarität und Respekt
vor den Menschen, und die Anerkennung des Pluralismus.

Ich bin den Leitern Ihrer Glaubensgemeinschaft dankbar, für Ihre Tätigkeit in der Führung Ihrer gläubigen Gemeinde. Sie sind für Ihre Gläubigen verantwortlich. Ich bin Ihnen dankbar für die in diesen angespannten Tagen bewiesene Mäßigung, den Gewaltverzicht und Moderation sowie die Dialogbereitschaft.

Ich danke aber auch allen Religionslehrern, Vorbetern, Imamen, Gemeindeverantwortlichen für die wertvolle Arbeit im Dienste der Menschen und Ihres seelischen und gesellschaftlichen
Wohlstandes."

(Schluss)

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