Leitl auf EU-Arbeitsmarktkonferenz: Der Jugend eine Chance!

Kampf der Jugendlangzeitarbeitslosigkeit in EU gezielt angehen - Wachstumsstrategien sind auch Beschäftigungsstrategien

Wien (PWK089) - Die Jugendarbeitslosenquote betrug in der gesamten EU Ende 2005 18,4 Prozent, was rund 5 Millionen Jugendliche ohne Arbeit bedeutet. "Auch wenn wir hier in Österreich mit einer Quote von 10,4 Prozent deutlich besser liegen, ist akuter Handlungsbedarf gegeben, damit kein Jugendlicher in Österreich wie in der EU auf der Straße stehen bleiben muss", erklärt der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, bei der heutigen EU-Präsidentschaftskonferenz "Innovation in der Arbeitsmarktpolitik" in der Wiener Hofburg. "Geben wir der Jugend eine Chance", appelliert Leitl bei der von EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit, Vladimir Spidla, und Wirtschaftsminister und Ratsvorsitzenden Martin Bartenstein geleiteten internationalen Konferenz.

"Die jungen Menschen von heute sind das Potenzial der Gesellschaft und der Betriebe von morgen. Um gerade in dieser wichtigen Phase der Identitätsfindung Halt und Zuversicht zu geben, hat die WKÖ gemeinsam mit dem AMS ein maßgeschneidertes Modell zur Beseitigung der Jugendlangzeitarbeitslosigkeit der 15-25-Jährigen in Österreich gestartet, zu dem sich bereits über 1.000 Betriebe zur Aufnahme eines solchen Jugendlichen gemeldet haben", stellt Leitl das erfolgreich angelaufene Job-Coaching- und Vermittlungsprojekt vor. Durch die Kombination von Berufsorientierung, einem Qualifizierungsmodul sowie persönlich zur Seite gestellten Betreuer werden die Jugendlichen bestmöglich auf das Arbeitsleben vorbereitet. "Wenn uns das Projekt zur Beseitigung von Jugendlangzeitarbeitslosigkeit gelingt, ist das ein Meisterstück für eine gelungene österreichische Sozial- und Arbeitsmarktpolitik", kann sich Leitl diese Maßnahme auch als best practise für andere EU-Länder vorstellen.

Um eine Reduktion des gesamten Arbeitslosenheeres innerhalb der EU-25 von derzeit 18,4 Millionen Menschen sukzessive und nachhaltig zu erreichen, weist Leitl auf die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums als wichtigsten Motor für das Beschäftigungswachstum hin. "Die Weltwirtschaft wächst derzeit rund doppelt zu rasch wie die Eurozone. Das ist nicht die Performance, die wir brauchen, um die Arbeitslosigkeit zu senken und den europäischen Menschen Hoffnung zu geben", so Leitl. Eine erfolgreiche Wachstumsstrategie müsse sowohl eine IQ-Strategie beinhalten, also mehr Investitionen in Innovation und Qualifikation, als auch die Forcierung der Selbständigkeit mit dementsprechend verbesserten Rahmenbedingungen für Klein- und Mittelbetriebe." Denn Arbeitsplätze würden in Europa vor allem von KMU geschaffen. So seien knapp 70 Prozent der Beschäftigten in der EU bei Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern beschäftigt und nur 30 Prozent in Großbetrieben. Diese Kluft habe sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich vergrößert.

"Parallel gilt es verstärkt in eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit innovativen Ansätzen zu investieren", erklärt Leitl und meint damit nicht nur eine Erhöhung der aktiven Ausgaben für Arbeitsmarktpolitik, sondern vor allem intelligente Anreizsysteme. Für Maßnahmen um die Beschäftigungsanreize zu verstärken wurden in der EU-15 rund 20 Prozent des Budgets für aktive Arbeitsmarktpolitik ausgegeben, Tendenz steigend. In Österreich sanken diese Ausgaben von 13,2 Prozent 1998 auf 13,1 Prozent im Jahr 2003. "Ziel einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik für Europa sollte es sein, unsere Arbeitslosen wieder schnell in Beschäftigung zu bringen. Während zu viele Schulungen lange Abwesenheiten verursachen, sollten wir uns besonders auf vermehrte Beschäftigungsanreize konzentrieren", meint Leitl.

Für Österreich fordert der Wirtschaftskammerpräsident deshalb eine Forcierung der Eingliederungsbeihilfe, die auch vom WIFO als sehr effizientes Instrument der Arbeitsmarktintegration bewertet wurde. Auch das kürzlich eingeführte Kombilohn-Modell ziele in diese richtige Richtung der vermehrten Anreize auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. (Ne)

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