AK: Arbeitsmarktkrise verlangt wirkungsvolle Arbeitsmarktpolitik

Tumpel: Nicht nur über Innovationen in der Arbeitsmarktpolitik reden, sie umsetzen ist wichtig

Wien (OTS) - Die Entwicklung von Beschäftigung und
Arbeitslosigkeit in der EU und in Österreich verlangen tatsächlich Innovationen und Neuorientierung in der Arbeitsmarktpolitik. Der Kongress "Innovationen in der Arbeitsmarktpolitik" könnte Weichen stellen, wenn Minister Bartenstein und EU-Kommissar Spidla es damit auch wirklich ernst meinen. "Was bisher in der Arbeitsmarktpolitik getan wird, reicht einfach nicht. Es müssen neue Ansätze gefunden und dann auch umgesetzt werden. Nur Reden ist zu wenig. Außerdem kann Arbeitsmarktpolitik - so innovativ sie auch sein mag - nur dann erfolgreich sein, wenn sie durch eine Wirtschafts- und Steuerpolitik ergänzt wird, die Beschäftigung schafft. Davon sind wir in der EU und in Österreich weit entfernt", kritisiert AK-Präsident Herbert Tumpel die aktuelle Situation in Österreich. "Es ist zum Beispiel mehr als grob fahrlässig, dass es die Regierung trotz wiederholter Aufforderungen der EU nicht geschafft hat, lebenslanges Lernen für Beschäftigte und Arbeit Suchende tatsächlich zu ermöglichen. Es reicht auch nicht, in einem Jahr mehr Geld für Arbeitsmarktpolitik auf den Tisch zu legen, wenn damit nur mehr vom Gleichen gemacht wird - dabei gibt es erfolgreiche Ansätze in anderen Mitgliedstaaten, die in Österreich umgesetzt werden könnten."

Konkret meint Tumpel den Umstieg zu einer individuellen Beratung und Betreuung von Arbeit Suchenden. In Schweden oder in Großbritannien ist das ein Schlüsselfaktor für die Bewältigung der Arbeitslosigkeit. Mehr Qualität bei der Beratung, Betreuung und Vermittlung ist in Österreich für Tumpel einfach notwendig. Dazu gehört auch, dass Arbeitslosigkeit nicht wie bisher zur raschen Verarmung der betroffenen Haushalte führt. "Das wichtigste ist, dass wir in Österreich endlich den Gedanken des lebenslangen Lernens für die ArbeitnehmerInnen umsetzen. Hier verlange ich konkrete Zielsetzungen und konkrete Maßnahmen. Es muss den ArbeitnehmerInnen zeitlich und finanziell möglich gemacht werden, sich beruflich höher zu qualifzieren oder einen neuen Beruf zu erlernen. Was Finnland und Schweden geschafft haben, nämlich die Qualifikation ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um mindestens eine Stufe anzuheben, das kann und muß auch Österreich gelingen" sagt Tumpel, "damit setzt sich der Kongress leider nicht auseinander, statt dessen wird die Förderung der Beschäftigung in Niedriglohnbereichen diskutiert," kritisiert Tumpel. Internationale Beispiele wie etwa in den Niederlanden zeigen, dass trotz sehr hoher Kosten für die öffentliche Hand die arbeitsmarktpolitischen Effekte von Niedriglohnförderung äußerst gering sind.

Innovationen in der Arbeitsmarktpolitik können aber nur dann umgesetzt werden, wenn die dafür notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden. In Großbritannien kommen rund 40 Arbeit Suchende auf einen Berater des britischen AMS, in Schweden rund 100, in Österreich sind es mehr als 200 Arbeit Suchende, die ein AMS-Berater betreuuen muss. Damit wird individuelle Beratung, Eingehen auf die persönliche Situation der Betroffenen so gut wie unmöglich, von der Vermittlung adäquater Arbeitsplätze ganz zu schweigen. "Wir brauchen einfach mehr AMS-BeraterInnen, um auf die Probleme der Arbeit Suchenden und der Betriebe mit offenen Stellen besser eingehen zu können. Dann kann auch die Arbeitsvermittlung rascher und besser erfolgen. Hier sollten wir von erfolgreichen Ländern lernen," sagt Tumpel.

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