Medienpionier Oscar Bronner in ÖJC-Fragestunde

"Internationale Normalität" für Österreichs Medienlandschaft Wien (OTS) - "Bei Trend, Profil und Standard habe ich nichts anderes getan, als die internationale Normalität nach Österreich zu holen." So beschreibt Oscar Bronner (63), Gründer dreier österreichischer Medien, im Kreuzverhör der ÖJC-Mitglieder am 16.2.2006 seinen Beitrag zur österreichischen Medienlandschaft.

Sein Vorbild für den Standard war die New York Times. Bronner:
"Wenn man in New York lebt, dann lebt man mit der besten Zeitung der Welt." Der Standard habe heute in Österreich eine Reichweite von 5,5 bis 6 Prozent der Bevölkerung im Alter von mehr als 14 Jahren. Im Vergleich dazu bringe es die Süddeutsche Zeitung nur auf 2,3 %. Dies sei aber auch aus der etwas anderen Marktlage zu sehen. Auf jeden Fall gebe es für jede Zeitung eine "natürliche Reichweite", die sich auch durch Abonnenten-Geschenke nicht dauerhaft vergrößern lasse.

Bronners Zukunft

"Ich habe eine Qualitätszeitung gegründet, weil ich sie lesen wollte", erklärt Bronner auf Fragen nach seinen Zukunftsplänen. Er würde keine Qualitätszeitung machen, "wenn ich nicht glaubte, dass das Zukunft hat", fügt er hinzu.

Besonders stolz ist er auf das online-Medium standard.at, das Gerlinde Hinterleitner gemeinsam mit Bronners Sohn Azzo Mitteräcker leitet. Bronner: "Beim standard.at finden enorme Innovationen statt. Es kommen aus ganz Europa Leute her, um sich Dinge abzuschauen."
Zu seinen eigenen Ambitionen sagt er: "Ich habe keine Ambition, in Pension zu gehen", aber: "Ich schau’ mich nicht nach Marktlücken um. Mein Bedarf an Lesern ist für mich jetzt gedeckt." Den Traum, eines Tages wieder als Maler und Bildhauer zu arbeiten, hat er nicht aufgegeben, aber für später aufgeschoben.

Besonders interessant war, die Geschichte der von Bronner gegründeten Medien aus seinem eigenen Mund zu hören. Er beginnt mit der Feststellung, "dass die Profis bei allen meinen drei Gründungen sich an den Kopf gegriffen haben." "Ich wollte gern so was lesen und machen", begründet er die Gründung des "profil". Aber es gab keinen Verlag, der das Projekt realisiert hätte. An einen eigenen Verlag dachte er nicht, denn er hatte nach eigenen Worten "null wirtschaftliche Ausbildung." Dann sei Bronner aber "draufgekommen, dass das preisgünstig zu gründen wäre", und das tat er dann.

Aber nicht sofort. Zuerst fand er Freunde, die mit ihm das Wirtschaftsmagazin trend gründeten, gleichsam "als Startrampe für das profil". Rückschauend sagte er im Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) über den trend: "Das war ein Sensationserfolg." Dabei wäre beinahe alles noch geplatzt. Freund und Partner Schwarzenberg, der soeben ein Vermögen geerbt hatte, zog sich unter dem Druck seiner Berater wieder zurück. Einziges Zugeständnis: Sein Name durfte weiterhin genannt werden. Bronner: "Daher betrachte ich ihn als Mitgründer." Der Rest ist Geschichte. trend und profil sind noch heute erfolgreich.

Umweg zum Standard

Während seiner Arbeit an profil hatte Bronner New York besucht. "Ich war fasziniert von der Stadt", berichtete er im ÖJC. Gleichzeitig hatte er den Traum, als Maler und Bildhauer zu arbeiten. Als sich 1974 die Gelegenheit ergab, trend und profil zu verkaufen, nahm Bronner diese Chance wahr: "Ich habe die beiden Träume kombiniert und bin auf ein halbes Jahr nach New York gefahren." Dann habe er "nach 13 Jahren bemerkt, dass das halbe Jahr vorbei war", und sei heimgekehrt - nicht ohne Heimweh nach der New York Times.

Was lag da näher, als die Erfahrung im Zeitungsgründen nun an einer Tageszeitung zu erproben, zuerst als Zeitung für Wirtschaftspolitik und Kultur mit 10.000 Stück Auflage? Sobald 30.000 Stück Verkaufsauflage erreicht waren, wollte er eine volle Tageszeitung machen. Was er nicht ahnte: Die 30.000 Stück hatte er schon am ersten Tag, und auch an den darauf folgenden Tagen, Wochen und Monaten lag die verkaufte Auflage "nie unter 33.000 Stück". Also wurde der Standard schon nach einem halben Jahr zu dem Medium ausgebaut, das er heute ist.

Die Finanzierung dieses Abenteuers ging nicht sproblemlos wie bei trend und profil. Bronner: "Da war mein Financier de facto die Druckerei." Für eine Tageszeitung brauchte er Bankmittel. Er erinnert sich: "Ich habe mit österreichischen Banken gesprochen. Vor 19 Jahren war die Bankenlandschaft strikt in rot und schwarz eingeteilt." Er antichambrierte bei Banken beiderlei Couleur und fand Gehör. Bronner:
"Ich habe, nachdem ich die Zusagen der Banken hatte, stolz verkündet:
"Ich starte." Dann kam die kalte Dusche: Über Intervention der Tageszeitungen, die den beiden Großparteien nahe standen, zogen die Banken ihre Zusagen wieder zurück. Bronner: "Eigentlich habe ich das Projekt dann als gescheitert gesehen."

Der damalige AZ-Chef Anton Pelinka meinte in der ÖJC-Diskussion entschuldigend: "Natürlich hat auch die Gründung des Standard die Chance noch kleiner gemacht, aus der AZ eine liberale Tageszeitung zu machen." Bronner streut dem Organ der SPÖ Rosen: "Es war in der allerletzten Phase noch eine gute Zeitung." Dann trat die ausländische Medienszene in Aktion. Bronner: "Ich bekam Anfragen von diversen Verlagen - und dann habe ich zu verhandeln angefangen." So kam es zum Engagement des Springer Verlages, bei dem Bronner die Mehrheit der Anteile behalten durfte, die er auch nach einem Wechsel des Miteigentümers heute noch - gemeinsam mit einer Privatstiftung -kontrolliert.

Politische Linie

Hart ins Kreuzfeuer kommt Bronner in der Diskussion bezüglich der politischen Linie des Standard, die er als "liberal" definiert. Sei er da nicht zu nahe an Parteien wie dem Liberalen Forum? Seine Antwort: "Das Wort 'liberal' hat es schon gegeben, bevor es liberale Parteien gegeben hat. Den Standard gab es schon vor dem Liberalen Forum - und es gibt ihn auch nachher."

Dann gibt er zu: "Mit der Politik hatten wir so unsere Schwierigkeiten." Ein kritischer Artikel über den damaligen Wiener Bürgermeister Slavik kam der Rathaus-Mehrheit in die falsche Kehle. Bronner: "Daraufhin wurden wir zum Feindbild der SPÖ." Den Höhepunkt erreichte der Streit, als die damals um ihre Existenz ringende AZ mit einem gefälschten Faksimile zu beweisen versuchte, dass der Standard von der ÖVP bestochen worden sei. Die Sache konnte gerichtlich aufgeklärt werden. "Heute werden wir wieder mehr ins linke Eck gestellt", klagt Bronner und hat eine Erklärung parat: "Wer immer gerade an der Macht ist, dem müssen wir auf die Finger schauen."

Er hat aber auch Trost für Schüssel: "Wer etwas macht, macht Fehler, und die müssen wir aufzeigen."

Es geht weiter

Die Serie der Medienpioniere im Kreuzverhör des ÖJC wird fortgesetzt. Am 20. April 2006 wird sich der nächste Pionier im Vienna International Press Center des ÖJC den Fragen der Kolleginnen und Kollegen stellen: Wolfgang Fellner.

Bild(er) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Bild Service, sowie im APA-OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Journalisten Club
Dr. Herbert Laszlo
Blutgasse 3
1010 Wien
Tel.: +43 1 9828555
Fax: +43 1 982855550
E-Mail: office@oejc.at
http://www.oejc.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0006