Martin Thurnher: Memoiren eines mächtigen Landespolitikers

Buchpräsentation des Landesarchivs in Dornbirn

Dornbirn (VLK) - Der Dornbirner Lehrer Martin Thurnher (1844 -
1922) war in den letzten Jahrzehnten der Monarchie einer der einflussreichsten Vorarlberger Politiker. An seinem 75. Geburtstag im Jahr 1919 beschloss er, seine Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Die Historikerin Karin Schneider hat diese handschriftlichen Memoiren bearbeitet und legt sie nun in Buchform vor. Das Vorarlberger Landesarchiv und das Stadtarchiv Dornbirn laden alle Interessierten herzlich zur Buchpräsentation am Mittwoch, 22. Februar um 19.00 Uhr ins Rathaus Dornbirn (Großer Sitzungssaal) ein. Der Eintritt ist frei.

"Einige Notizen aus meinen Leben" überschrieb Martin Thurnher seine Memoiren, die er 1919 bis 1922 zu Papier brachte. Der Landtags-und Reichsratsabgeordnete und stellvertretende Landeshauptmann schildert sein Leben zwischen Dornbirn, Bregenz, Innsbruck und Wien. Seine ungeschminkten Kommentare über Kollegen und Widersacher sowie zum tagespolitischen Geschehen ermöglichen einen Einblick in die Gedanken- und Lebenswelt eines katholisch-konservativen Politikers in der k.u.k.-Monarchie.

Ein "Kasiner" in Dornbirn, Bregenz und Wien

Martin Thurnher, 1844 als Sohn eines Fabrikarbeiters in Dornbirn geboren, war von Beruf Lehrer und einer der Führer der katholisch-konservativen Bewegung Vorarlbergs. 1870 bis 1897 führte er in der liberal dominierten Dornbirner Gemeindevertretung die Opposition, 1882 wurde er als Vertreter Dornbirns in den Landtag gewählt. Ab 1884 gehörte er als Ersatzmitglied, ab 1890 als Mitglied dem Landesausschuss an. Er wurde zum engsten Mitarbeiter des neuen katholisch-konservativen Landeshauptmanns Adolf Rhomberg (1851 -1921), der ihn zum Stellvertreter in seinem Ressort bestellte. 1909 ernannte ihn der Kaiser schließlich zum Landeshauptmannstellvertreter. Ab 1891 vertrat Thurnher an der Seite Jodok Finks Vorarlberg gleichzeitig im Abgeordnetenhaus des Reichsrates in Wien. 1918/1919 beteiligte sich der Christlichsoziale noch in der provisorischen Landesversammlung in Bregenz und in der provisorischen Nationalversammlung in Wien.

1919 zog sich Thurnher aus der Politik zurück und begann, seine Memoiren zu schreiben: "Ich habe nun genügend Zeit, das Bild der Vergangenheit vor meinen Augen zu entrollen, Notizen über meine Erlebnisse, über mein Thun und Wirken zu sammeln und, weil mehr oder weniger nunmehr dem politischen Leben entrückt, ein objektiveres Urteil über die mehr als 50 Jahre mitgemachten Kämpfe im Lande Vorarlberg abzugeben, als zu der Zeit, in der ich mich noch mitten in den denselben befand und mich in hervorragender Weise an denselben zu beteiligen hatte."

Das Original dieser wertvollen Lebenserinnerungen befindet sich in Privatbesitz. Die Autorin der Buchausgabe, Karin Schneider, hat Geschichte und Publizistik in Wien studiert, ist Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung und lebt als freischaffende Historikerin in Wien.

Karin Schneider (Hg.), "Einige Notizen aus meinem Leben". Die Memoiren des Vorarlberger Landtags- und Reichsratsabgeordneten Martin Thurnher (1844-1922) (Quellen zur Geschichte Vorarlbergs 7). Regensburg: Roderer 2005, ISBN 3-89783-491-X.

Für weitere Informationen: www.landesarchiv.at, www.dornbirn.at.

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