"Kleine Zeitung" Kommentar: "Elite-Uni muss endlich raus aus der Einfluss-Sphäre der Politik" (von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 16.2.2006

Graz (OTS) - Schlag gegen das Projekt der Bundesregierung, noch
vor der nächsten Wahl eine leuchtturmartige "Elite-Uni" aus dem Boden zu stampfen: 39 österreichische Forscher, die im Ausland leben, haben sich scharf gegen die überhastete Entscheidung bei der
Standortwahl ausgesprochen. Das ist ein gewichtiger Stimmenchor. Die Betonung liegt auf überhastet. Die Idee als solche wird kaum mehr in Frage gestellt obwohl es manch guten Grund dafür gäbe.

Kritik entsteht nicht wegen der fehlenden Busanbindung
von Gugging an Wien. Die Wissenschaftler erkennen, dass sie in den Sog der Nationalratswahl hinein gezogen werden. Da sind Spitzenforscher empfindlich. Keine der Elite-Unis anderswo könnte sich halten, wenn vom Bürgermeister bis zum Bundeskanzler jeder mehr mitzureden hat als die Forscher selbst.

Paradoxerweise passiert das just jener Regierung, die ihre Universitäten gerade vom Gängelband befreit hat. Die universitäre Autonomie hat und das wird vom Ausland her auch anerkennend gesehen eben nicht nur zur "Mängelverwaltung" geführt.

Erstmals sehen die Hochschulen einen Sinn darin, sich selbst Schwerpunkte zu verordnen, eigenständige Profile zu bilden, ihre Leistungen zu gewichten und sie auch national und international besser zu positionieren.

Das jüngste Beispiel - die Technische Universität Graz wird den ersten heimischen Satelliten starten - ist nur ein Beweis. Andere Fälle - die Physikergruppen in Innsbruck, die Bioforschungsszene in Wien - bestätigen dies.

Es kommt nicht oft vor, dass in der Wissenschaftspolitik in Österreich so entscheidende Weichen gestellt werden.
Wenn die Elite-Uni ein nationales Anliegen ist, dann muss sie auch so behandelt werden.

Vielleicht werden sich ja Wien und Niederösterreich noch handelseins. Die Einbindung der "Scientific community" ist dringend nötig, speziell für die anstehenden Berufungen. Anton Zeilinger ist als Gallionsfigur tatsächlich unverzichtbar. Und dann gilt es noch, "Rest-Ängste" der Universitäten auszuräumen.

All das benötigt Zeit und Autonomie für die Wissenschaftler. Es wäre wirklich grotesk, wenn gerade die Elite-Uni im Würgegriff der parteipolitik bliebe. Deshalb muss das Projekt aus dem Wahlkampf herauskommen. Ernsthaft "Punkte sammeln" wird man mit so einer Frage ohnehin nicht können. Die Institution hingegen sammelt ihre Punkte gerade mit einem unbestrittenen Ruf.****

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