Agrargewerkschaft: 1.000 Euro für BlumenbinderInnen zu viel?

Gewerkschaft hofft auf Arbeitgebereinsicht bei 2. Verhandlungsrunde

Wien (ANG/GMT/ÖGB) - "Auch heuer dürfte der Valentinstag für den Blumenhandel ein gutes Geschäft gewesen sein", sagt Heinz Fluch, für den Agrarbereich zuständiger Sekretär der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss (ANG). "Die BlumenbinderInnen und FloristInnen werden davon allerdings nicht profitieren, ihren Arbeitgebern sind 1.000 Euro Mindestlohn zu viel."++++

Am 2. Februar fand die erste Verhandlungsrunde über einen neuen Kollektivvertrag für die rund 1.400 BlumenbinderInnen und FloristInnen - hauptsächlich Frauen - mit den zuständigen Arbeitgebervertretern statt. "Wir haben dabei unsere Hauptforderung nach 1.000 Euro Mindestlohn vorgebracht", sagt Fluch. "Derzeit verdienen Hilfskräfte und LadnerInnen knapp 890 Euro, FloristInnen im ersten Gehilfenjahr 918,49 Euro und im zweiten Jahr 960,08 Euro, jeweils brutto im Monat. Seit der Einführung des Euro fordern wir 1.000 Euro Mindestlohn, die Arbeitgeber haben sich aber keinen Millimeter bewegt." Die ANG ist den Arbeitgebern mit dem Vorschlag entgegen gekommen, sich der 1.000-Euro-Marke in mehreren Schritten anzunähern und die Lohnerhöhungen zu teilen, das heißt die unteren Löhne verhältnismäßig stärker anzuheben, um schneller zu 1.000 Euro Mindestlohn zu kommen. Die Arbeitgeber hätten das aber mit der Begründung, die Forderungen seien zu hoch, abgelehnt. "Das letzte Arbeitgeberangebot am 2. Februar lag bei durchschnittlich 2,2 Prozent Lohnerhöhung, das deckt nicht einmal die Jahresinflation 2005 ab," so Fluch. "Es muss sich jetzt endlich etwas bewegen. Die Betroffenen, in der großen Mehrzahl Frauen, arbeiten das ganze Jahr über hart, auch ihre Lebenskosten steigen." Die Gewerkschaft ANG werde nicht länger still halten, so Fluch. "Wir haben den Arbeitgebern gegenüber großes Entgegenkommen gezeigt, und vor dem Valentinstag auf Aktionen verzichtet, die die KundInnen darüber informiert hätten, wie wenig die Beschäftigten ihren Arbeitgebern offenbar wert sind. Das gleiche Entgegenkommen erwarten wir uns daher bei der nächsten Verhandlungsrunde am 21. Februar."

An Gewerkschaften scheitert 1000 Euro Mindestlohn sicher nicht

Der Sozialsprecher der Regierungspartei ÖVP, Walter Tancsits, hatte den Sozialpartnern vor Kurzem vorgeworfen, in der Frage von 1.000 Euro Mindestlohn säumig zu sein. Fluch dazu: "Die Gewerkschaften fordern seit Jahren quer durch alle Branchen, in denen das noch nicht gilt, 1.000 Euro Mindestlohn. Säumig sind nicht wir, sondern die Arbeitgeber. An die kann sich Herr Tancsits gerne wenden, die BlumenbinderInnen, FloristInnen und viele andere werden es ihm sicher danken."

ÖGB, 15. Februar
2006
Nr. 93

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