- 13.02.2006, 18:22:12
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar
Wien (OTS) - Die Lust- und Laune-Unis
Hoffen wir, dass das neugeregelte Medizinstudium nun vor dem
EU-Gerichtshof hält. Nach allen Regeln der Vernunft wäre es ja
unhaltbar, wenn in einem Land der Ärztenachwuchs plötzlich ausbleibt,
weil die meisten Studienplätze von Ausländern besetzt sind. Aber man
hat‘s halt nicht einfach mit einem Gericht, das es - etwa zum
Unterschied vom heimischen Verfassungsgericht - nicht für notwendig
erachtet, sich der Öffentlichkeit zu stellen, sondern das im
elfenbeinenen Turm solange theoretische Prinzipien hochhält, bis
Europa kaputt ist.
*
Aber auch Österreich sollte für die Zukunft etwas lernen: nämlich
dass das Thema Inländerquote streng zu trennen ist von der Frage, ob
und wie man diejenigen aussucht, welche ein Fach studieren dürfen.
Denn die Krise der Universitäten und ihres Ausbildungsniveaus sowie
die hohen Drop-Out-Quoten sind Folge dessen, dass lange Zeit jeder
alles immatrikulieren konnte: selbst wenn es zu wenige Praktikaplätze
gab, selbst wenn damit jungen Menschen wertvolle Jahre geraubt
wurden, selbst wenn für größere Absolventenzahlen bestimmter Studien
kaum Jobchancen bestanden.
Keine Frage: Jeder Auswahlmechanismus bringt auch
Ungerechtigkeiten mit sich, egal ob er nun in den Maturanoten, in
einem Aufnahmetest oder in Killerprüfungen mitten im Studium besteht.
Ebenso keine Frage ist aber, dass eine Limitierung der
Studentenzahlen die Qualität der Ausbildung verbessert und dass
strenge Aufnahmskriterien die Qualität der späteren Absolventen im
Allgemeinen erhöht. Oder glaubt jemand, dass die Unis besser sind,
wenn jeder nach Lust und Laune studiert, was er will, nur weil er
halt an einer Fachhochschule oder bei einer medizinisch-technischen
Ausbildung oder auf dem Maturanten-Arbeitsmarkt gescheitert ist?
Zumindest hinsichtlich der Qualität der Ärzte sollte das auch für die
Hochschülerschaft einsichtig sein. Aber es gilt genauso etwa für die
Lehrer, Forscher, Juristen, Techniker oder Ökonomen. Und manche
andere Studien werden dann halt zu Lust-und-Laune-Volkshochschulen.
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