KOMMENTAR von Michael Kuscher: Aufklärung tut Not

Klagenfurt (OTS) - Auch Österreichs Medien sind sich keineswegs darüber einig, ob die umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Sinne der Berichterstattungspflicht zitiert, also bildlich wiedergegeben werden sollen. Berufen sich die einen bei der Abbildung des Religionsstifters mit Bombenturban auf den Grundwert der Meinungsfreiheit, so berufen sich jene, die auf die Wiedergabe verzichten, auf den Ehrenkodex der Presse und den unverzichtbaren Respekt vor religiösen Gefühlen.

Beide Haltungen sind gerade in der völlig überhitzten politischen Situation instrumentalisierbar. Auf islamischer Seite wird die Empörung ganz offensichtlich bereits zweckgesteuert und arbeitet radikalen Fundamentalisten in die Hände. Hier geht es längst nicht mehr um Meinungsfreiheit und religiöse Gefühle, sondern um Bedrohungen. Das ist der Grund des europäischen Rückzugsgefechtes -und nich religiöse Rücksichtnahme.

Mein Argument gegen die Wiedergabe der Karikaturen ist: Sie erinnern mich fatal an die Hetzkarikaturen der 30er Jahre gegen die Juden. Selbstverständlich sind Kritik und Tabubruch auch im religiösen Bereich gestattet. Doch Meinungsfreiheit ist auch die Freiheit, die eigene Meinung so klarzulegen, dass sie nicht verhetzt und entwürdigt, sondern - wenn auch karikierend - aufklärt. Es geht hier um Aufklärung und nicht um Meinungsfreiheit.

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