DER STANDARD-Kommentar: "Der Wiener Gegenschlag" von Roman David-Freihsl

Ausgabe vom 4./5.2.2006

Wien (OTS) - Jetzt will die Stadt Wien nicht locker lassen -
nachdem sie zunächst einmal vorsichtig, ja geradezu zögerlich an das Projekt unter dem Arbeitstitel "Elite-Uni" herangegangen war. Schließlich galt es erst, die sozialdemokratische Scheu vor dem Vokabel "Elite" abzulegen - und herauszuarbeiten, dass es eigentlich um etwas anderes geht. Gilt es doch vielmehr, dafür zu sorgen, dass angehende Spitzenkräfte nach dem Studium adäquate Weiterbildungs- und Forschungsbedingungen auf international hohem Niveau vorfinden.

Jetzt will der Wiener Vizebürgermeister Sepp Rieder trotz der Gugging-Entscheidung des Bundes auf dem Flugfeld Aspern ein Forschungsinstitut mit Postgraduate-Ausbildung verwirklichen -gemeinsam mit Anton Zeilinger und Peter Schuster, den "geistigen Vätern" der "Elite-Uni". Das ist ein Indiz dafür, dass die Stadtverantwortlichen die Bedeutung dieses Vorhabens begriffen haben, dass es ihnen mehr um die Sache und weniger ums Prestige geht; im Gegensatz zum Bund, dem es offenbar egal ist, ob bei einem derartigen Vorhaben die besten Köpfe dabei sind oder halt nicht - Hauptsache, man hat sich irgendwie den Standort zurechtargumentiert, den man offenbar von Anfang an wollte. So gesehen könnte man die Pflanzerei einer Ausschreibung das nächste Mal eigentlich auch gleich bleiben lassen.

Trotz alledem wäre es immer noch wünschenswert, wenn auch in Gugging eine vernünftige Einrichtung entstehen könnte, die Ausbildung und Forschung der Spitzenklasse ermöglicht. Aber wenn Wien mit seinem Gegenschlag erfolgreich sein sollte, wäre es letztlich auch egal, wenn für Gugging nur noch ein Gucki-Mucki-Projekt bleibt. Nur die Blamage des Bundes, die wäre angesichts eines gelungenen Wiener Institutes eine noch größere als jetzt.

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