Arzneimittelbewilligungsservice: Patienten werden zu Nummern

Pruckner: "Nächstes Chaos des Hauptverbands vorprogrammiert" - Gesprächsbasis für Ärzte "empfindlich gestört"

Wien (OTS) - Mit scharfer Kritik hat der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Jörg Pruckner, auf die Ankündigung des Hauptverbands reagiert, das elektronische Arzneimittelbewilligungsservice (ABS) Anfang April für alle niedergelassenen Ärzte verpflichtend einführen zu wollen. "Angesichts der vielen organisatorischen Probleme, die es hinsichtlich des ABS noch gibt, rechnen wir bei einem Alleingang des Hauptverbands mit einem Verwaltungschaos ähnlich dem bei der Einführung der 'Chefarztpflicht neu'", warnte Pruckner in einer Aussendung am Freitag. Er nahm damit auf einen aktuellen Bericht in der "Presse" Bezug, wonach die Trägerkonferenz des Hauptverbands heute beschließen soll, das ABS in Kürze einzuführen. Die Gesprächsbasis zum Hauptverband sei auf Grund der aktuellen Entwicklung "empfindlich gestört und ein Jahr Ringen um Einsicht des Hauptverbands offenbar umsonst", so Pruckner.

Pruckner verwies auf die vielen technischen Probleme rund um die e-Card, die derzeit noch die Ärzte in Österreich, vor allem auch in Wien, beschäftigten. "Außerdem sollen beim jetzigen Plan des Hauptverbands auf den Rückmeldungen an die Ärzte die Chefärzte namentlich gar nicht mehr genannt werden, sondern nur noch Nummern erscheinen. Wir haben damit bei den chefärztlichen Bewilligungen keinen Namen der Ansprechpartner bei den Sozialversicherungen mehr. Das ist aus Sicht der Patienten ein Skandal", erklärte Pruckner. "Ein Arzt kann keine Unklarheiten mehr mit dem zuständigen Chefarzt ausräumen und besprechen. Er wird damit seiner Möglichkeiten beraubt, sich für den Patienten einzusetzen."

Zusätzlich sei das ABS in seiner Funktion bundesweit im großen Stil noch nicht getestet worden. "Mut zur Lücke ist aber bei einem solch großen und für die Patienten so wichtigen Projekt eine geradezu aberwitzige Vorgangsweise", so der Kurienobmann weiter. Aus seiner Sicht zeichne sich eine weitere "Groß-Pleite in der Pannenserie rund um e-Card und Chefarztpflicht neu" ab, die vermeidbar wäre. Pruckner:
"Wir lehnen diese autoritäre und übereilte Vorgangsweise mit aller Entschiedenheit ab." Er machte darauf aufmerksam, dass es die Ärzte waren, die immer wieder auf eine vertragliche Lösung gedrängt hatten, um so den Patienten das zu erwartende Chaos zu ersparen und eine gedeihliche Entwicklung zu erreichen. Der Hauptverband habe es allerdings nicht geschafft in den über ein Jahr währenden Verhandlungen wesentliche Eckpunkte zu klären.

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