Kroatien: "Zur EU gibt es keine Alternative"

"AWO-HORIZONTE" über das "Nachbarland" Kroatien - Beitrittsverhandlungen als Impuls für die weitere Entwicklung

Wien (PWK054) - "Kroatien befindet sich auf dem richtigen Weg. Der angestrebte EU-Beitritt wird diesen Prozess noch beschleunigen", fasste WKÖ-Vizepräsident Richard Schenz seine Eindrücke über die "HORIZONTE Kroatien: Liebkind Österreichs - Stiefkind der EU " zusammen.

Bei der Abendveranstaltung der AUSSENWIRTSCHAFT ÖSTERREICH (AWO) am Donnerstag im Haus der Wirtschaft diskutierte eine hochkarätig besetzte Runde über Kroatiens wirtschaftliche Entwicklung und seinen Weg in die EU. "Eine gute Vorbereitung ist wichtiger als der rasche Beitritt", meinte der kroatischen Vizeminister für Wirtschaft, Arbeit und Unternehmertum; Mag. Slobodan Mikac, in seinem Impulsreferat. Zur EU-Mitgliedschaft gebe es für Kroatien jedoch keine Alternative: "Die künftige Entwicklung ist nicht ohne EU vorstellbar. Wir haben einfach keine andere Wahl". Kroatien habe im Transformationsprozess bereits ein paar Jahre verpasst. Daher sei es wichtig, auf den Zug aufzuspringen und die Herausforderungen anzunehmen. "Mit einem Partner wie Österreich wird die künftige Entwicklung leichter", sagte Mikacs.

Für Mladen Vedris, ehemaliger Vizepremier und führender Ökonom des Landes, ist Kroatien gut unterwegs. Allerdings gebe es regionale Unterschiede. Während die Region um Zagreb prosperiert, gibt es Landesteile mit einer Arbeitslosigkeit um die 30%. Bei der Bürokratiereform im Lande sei vieles verbessert geworden, es sei aber noch einiges zu tun, gesteht er ein. "Insgesamt befinden wir uns erst auf der Mitte eines langen Weges", meinte Vedris, der kurzfristig für den verhinderten Präsidenten der kroatischen Wirtschaftskammer, Nada Vidosevic, eingesprungen war. Das Land müsse noch mit vielen wirtschafltichen und sozialen Kriegsfolgen fertig werden.

Die Auswirkungen der Balkankriege Ende der 90er Jahre waren auch Thema der Ausführungen der kroatischen Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulic, die eine intensivere Beschäftigung mit der Vergangenheit einmahnte. "Wir müssen unsere Hausaufgaben in diesem Bereich machen, aber trotzdem in die Zukunft schauen". Drakulic kritisierte den "politischen Druck auf die Justiz". Auch werde, wie sie sagte, zu wenig getan, um die sozialen Unterschiede im Land auszugleichen.

Als "eindeutiges Plus für Reformen" sieht BA-CA-Vorstandsdirektorin Regina Prehofer
die Beitrittsverhandlungen mit Kroatien: "Ich sehe die weitere Entwicklung positiv. Die EU hilft dem Land dabei, sich in die richtige Richtung zu bewegen". Ein großer Vorteil, vor allem auch für österreichische KMU, sei die geringe geographische Entfernung und auch die kulturelle und mentale Nähe zu Österreich.

Aus österreichischer Sicht könne Kroatien, da heimische Unternehmen in fast allen Sektoren der kroatischen Wirtschaft vertreten sind, fast schon als "zweite Heimat" bezeichnet werden, meint der österreichische Handelsdelegierter Peter Hasslacher. Die österreichische Wirtschaft leistet mit mehr als 25 Prozent der ausländischen Investitionen einen wichtigen Beitrag zur guten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Österreichische Unternehmen sind Marktleader in vielen Bereichen, nicht nur auf dem Finanzsektor. Auch als Produktionsstandort werde Kroatien immer beliebter. Probleme sieht Hasslacher allerdings noch bei Justiz und Verwaltung. Hier müsse, so Hasslacher, noch etliches verbessert werden.

Von allen Referenten wurde das Gefühl der guten Nachbarschaft zwischen Österreich und Kroatien angesprochen. "Wir haben 500 Jahre gemeinsam Geschichte. Wir sind Nachbarn, auch wenn es rein geographisch nicht stimmt", erklärte Vizeminister Mikac. "In beiden Ländern überwiegt das positive Bild, das man vom anderen hat", pflichtete Hasslacher bei, der seit vier Jahren die Handelsdelegation in Zagreb leitet.

Die "HORIZONTE" Veranstaltungsreihe der AWO setzt sich unter dem Titel "EU - The next Generation" mit der Südosterweiterung der EU auseinander. Nach Rumänien und Bulgarien im Herbst 2005 stand im neuen Jahr als erstes Land Kroatien im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die gestrige Veranstaltung wurde von der Kanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz, der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG und der Tageszeitung "Die Presse" unterstützt. "HORIZONTE"-Präsident Richard Schenz kündigte an, dass die nächste Diskussionsrunde am 22. März der Türkei gewidmet sei. Am 3. Mai 2006 soll ein Abend über Serbien-Montenegro folgen. (hp)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich,
AWO-Süd-Osteuropa (AWO),
Mag. Franz Rössler
Tel: +43 (0)5 90 900 4442,

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0002