Kammer der Wirtschaftstreuhänder: Präsident Brogyányi fordert eine "Austrifizierung" des amerikanischen Chapter 11 - ein neues Insolvenzrecht ist angesichts der Pleitestatistik notwendig

Wien (OTS) - "Österreich nimmt den traurigen Spitzenplatz bei Unternehmenspleiten ein - auf einen Banktag entfallen 28 Insolvenzen. Gerade das derzeitige österreichische Insolvenzrecht steht einer Sanierung im Wege. Wir müssen zukunftsorientierte Lösungen finden, damit eine Verbesserung des heimischen Standorts im europäischen und internationalen Wettbewerb zu erzielen ist," rät Brogyányi.

Höchststand der Insolvenzen 2005 erreicht

Die Insolvenzen sind nach dem Höchststand 2004 im Vorjahr nochmals gestiegen: 13.602 Gesamtinsolvenzen bedeuten ein Plus von 13,8% (2004: 11.955). 7.299 Unternehmen (plus 15,3%) und 6.303 Privatpersonen (plus 12%) waren betroffen. Durch diese Insolvenzen sind an die 25.000 Arbeitsplätze bedroht, ein Vermögen von rd. 2,3 Mrd. Euro vernichtet. (Quelle: Creditreform 12/2005) Dass bereits mehr Konkursanträge von Unternehmen mangels Masse abgewiesen werden als Unternehmensinsolvenzen eröffnet, ist ein deutliches Signal, erklärt Brogyányi. Eine Änderung des Insolvenzrechtes muss nun endlich in Angriff genommen werden.

Weg von Zerstörungsrecht - hin zum Sanierungsrecht

"Das derzeitige österreichische Insolvenzrecht ist ein Zerstörungsrecht, die Wirtschaft benötigt aber ein vernünftig gestaltetes Sanierungsrecht. Nach dem Insolvenzrekord 2005 müssen nun Verbesserungsvorschläge in die Tat umgesetzt werden - hier sind Gesetzgeber, Interessensvertretungen und Unternehmer gemeinsam gefordert."

Brogyányi verdeutlicht am Beispiel des amerikanischen Insolvenzrechts, durch welche Faktoren Sanierung und Gesundung der Betriebe ermöglicht werden soll.

  • Im Gegensatz zu Österreich erfolgt eine Schuldenbereinigung und Schuldenumwandlung, die Unternehmen erhalten die Möglichkeit einer Kapitalumwandlung. Die Schuldenentlastung ist das zentrale Element.
  • In den USA ist das persönliche Unternehmerrisiko in diesem Zusammenhang geringer. Nach einer Insolvenz besteht in der Regel Schuldenfreiheit und der Unternehmer ist nicht stigmatisiert.
  • Die frühzeitige Sanierungseinleitung (Reorganisationsplan) erfolgt, da die Verfahrenseröffnung ohne die Voraussetzung der drohenden Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung beantragt werden kann - nur dadurch wird ermöglicht, dass die Sanierung überhaupt realistisch ist.

Sanierung geht vor Zerschlagung - Prävention vor Sanierung

Da die Insolvenz erst am Ende des Niedergangs eines Unternehmens steht, muss die Insolvenzprophylaxe gestärkt werden. Brogyányi rät allen Unternehmen zu einer Fortbestehensprognose: "Jeder Unternehmer ist gefordert, sich mit der Zukunft seines Unternehmens auseinanderzusetzen und dies in geeigneter Weise darzustellen."
Das heißt auch, sich mit Maßnahmen zur Eigenkapitalstärkung, Unternehmenskennzahlen und Risikomanagement, vor allem aber auch im klein- und mittelständischen Bereich verstärkt mit der Unternehmenszukunft zu befassen.

"Weil wir zu lange an die Gläubigerrechte glauben, sind im derzeitigen Insolvenzverfahren zu oft die Gläubiger ohne Chancen auf ein Realisat! Wann geht den Gläubigerschützern und dem Gesetzgeber endlich diese Erkenntnis auf?"

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