"Die Bilder sind nicht einmal die Hälfte wert!"

Klimt-Sammler Hans Dichand will sich für den Verbleib der umstrittenen Bilder in Österreich einsetzen.

Wien (OTS) - Unsere Stadt: Die fünf Klimt-Bilder sollen ihrer rechtmäßigen Besitzerin nach New York übergeben werden. Jetzt überlegt man, ihr die Bilder abzukaufen, damit sie in Österreich bleiben können. Wie hoch schätzen Sie den Wert der Bilder?

Hans Dichand: Sie sind sicher keine 230 Millionen Euro wert. Meine "Danae" zum Beispiel hat einen Versicherungswert von 40 Millionen Euro, aber das ist eines der wichtigsten Klimt-Bilder überhaupt. Ich glaube, lediglich das "Gold-Bild" ("Adele 1", Anm. d. Red.) ist vielleicht 30 bis 40 Millionen wert, die anderen vier vielleicht jeweils zwischen fünf und zehn Millionen, zusammen also nicht einmal die Hälfte der genannten Summe. Aber ich verstehe, dass Frau Altmann jetzt den maximalen Preis erzielen will. Ich kenne Frau Altmann nicht. Aber wie sie sich in der Angelegenheit verhalten hat, empfinde ich positiv. Auch dass sie die Bilder zurückbekommen hat. Sie hat lange warten müssen. Dafür sind die Bilder inzwischen im Wert sehr gestiegen.
(...)

Unsere Stadt: Wie viel waren denn die Bilder zum Zeitpunkt des Testaments Adele Bloch-Bauers wert?

Hans Dichand: Na ja, vielleicht ein paar hunderttausend Euro. (...)

Unsere Stadt: Würden Sie der Regierung Vorhaltungen machen, wenn es der Republik nicht gelingt, die Bilder zurückzukaufen?

Hans Dichand: Ja. Wir haben eine Zeitung, und wir können dort auch kritisieren. Das steht uns zu. Ich kann mit der Zeitung auch mithelfen, falls das gewünscht wird. Ich könnte unseren drei Millionen Lesern sagen: "Helfts, dass die Bilder hier bleiben, sparts, vielleicht kriegen wir das Geld für die Bilder gemeinsam zusammen."
(...)

Unsere Stadt: War das Urteil für die Regierung eine Überraschung, und hat man deshalb offiziell all die Jahre nicht verhandelt?

Hans Dichand: Das kann sein. Andererseits war ja bekannt, dass diese Bilder ihren Besitzern weggenommen worden waren. Zwar wurden sie angeblich einmal geschenkt, aber es ist doch verständlich, dass jemand die Schenkung rückgängig macht, wenn er damit rechnen muss, das Land verlassen zu müssen. Ich möchte auch nicht einem Land etwas geben, das so mit mir umgeht. Da muss es möglich sein, die Schenkung rückgängig zu machen. Daran ist nichts auszusetzen. Die Bilder gehören der Frau Altmann, und sie hat sie zurückbekommen.

Bei den Textstellen handelt es sich um Auszüge eines Interviews im Magazin "Unsere Stadt", Ausgabe 02/2006; Erscheinungstag: Montag, 6. 2. 2006

Rückfragen & Kontakt:

Nadia Weiss, Redakteurin; mobil: 0664/33 84 192

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0019