Dramatisches Trauerspiel rund um das Österreichische Institut für Familienforschung!

Vorläufig letzter Akt

Wien (SK) - "Am Ende des Stücks nimmt eine geschätzte Geschäftsführerin den Hut. Ein ehemaliger Sektionschef tut es ihr gleich. Will ein Zeichen setzten und schmeißt das Handtuch noch vor dem Gong. Ein Verein, der dafür da war, Familienforschung zu betreiben, verzichtet unfreiwillig auf seine Existenz. Ein sachlich überforderter Günstling, der Sex vor der Ehe befremdlich findet, bekommt eine GmbH, die niemand braucht und 3,5 Millionen Euro wandern als edle Gabe von den Händen der Familienpolitik in die Hände der Wiener Universität", so stellt sich für Gernot Rammer, dem Geschäftsführer der Österreichischen Kinderfreunde die Kurzfassung des Trauerspiels um das Österreichische Institut für Familienforschung und die ministerielle Familien GmbH dar. ****

"Im letzten Akt wird noch gedreht und gewendet, verklärt, gezockt und gezaudert. Aber letztendlich bleibt es dabei: die Sache stinkt -und bleibt scheinbar vorläufig so wie sie ist", sagte Rammer am Donnerstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Rammer kritisiert, dass die Familienpolitik, genauer gesagt das für Familienpolitik zuständige Ministerium und damit die Regierung, "de facto jede Steuerung der Forschung in ihrem Bereich aufgibt". Für die nächsten fünf Jahre sollen jene Mittel, die bisher für die Familienforschung ausgegeben wurden, zur Gänze an die Universität fließen - jährlich 700.000 Euro. "Die Regierung spart sich dadurch vor allem das Nachdenken darüber, welche Probleme die Familien in Österreich haben", kritisierte Rammer. Angesichts der Qualität, mit der in den letzten Jahren "gesteuert" wurde, sei die völlige Aufgabe der Steuerung sicher kein all zu großer Verlust, aber ein unübersehbares Zeichen der Überforderung und der mangelnden Kompetenz der Regierung. "Die Politik verabschiedet sich vom Politischen". Rammer weiter:
"Grundlagen und Erkenntnisse der Wissenschaft stören den laufenden entpolitisierten politischen Betrieb".

Familienrelevante Forschung von den Universitäten komme nicht erst durch die Liquidierung des ÖIF und durch die Umleitung der Mittel in die Universität mit dieser Materie in Berührung, so Rammer. "Vielmehr war bisher das nebeneinander von universitärer und außeruniversitärer Forschung durchaus als positiver Umstand zu werten, der zu einer einigermaßen pluralen Landschaft in diesem Bereich beigetragen hat." Rammer weiter: "Wenn es darum gegangen wäre, die universitäre Forschung in jenen Gebieten, die für Familien relevant sind, zu verstärken, hätte die Regierung die dafür zuständige Ministerin Gehrer schon längst mit dieser Schwerpunktsetzung beauftragen können, zusätzlich zum ÖIF. Dazu wäre es nicht nötig gewesen, das ÖIF zur Selbstaufgabe und in die Knie zu zwingen."

Alleine die Übernahme der Kosten, die durch die Liquidierung des alten ÖIF entstehen und vom Ministerium als zusätzliche Kosten getragen werden, würde kleineren Forschungseinrichtungen ausreichen, längere Zeit ihre Forschungstätigkeit abzusichern.

"Nicht etwa um Missstände der Vergangenheit, wie etwa das Geheimhalten von Forschungsergebnissen des ÖIF, die der Regierung nicht in den Kram gepasst haben, zu verhindern. Das wird vielleicht jetzt wenig besser werden, aber als Grund für den ganzen Zirkus reicht dieses Argument bei weitem nicht", betonte Rammer. "Wenn das Ministerium nicht in der Lage ist, die an die GmbH ausgegliederten Aufgaben wie bisher selbst zu übernehmen, darf die Frage gestellt werden, wozu diese Regierung überhaupt noch im Stande ist."

Die GmbH selbst bleibt sicher weiterhin interessanter Beobachtungsgegenstand: "Welche derzeitigen MitarbeiterInnen aus dem Umfeld der Regierungsparteien werden innerhalb des nächsten Jahres auf Gehaltslisten oder als Projektbeauftragte im Zusammenhang mit der GmbH oder dem neuen ÖIF auftauchen?", fragt Rammer.

"Es stehen viele ungelöste Probleme im Familienbereich an. Während die rotgrüne deutsche Regierung ein einigermaßen zeitgemäßes Programm vorbereitet hat, das jetzt von der großen Koalition umgesetzt wird, bleiben in Österreich die Dinge weiter unerledigt liegen. Es ist klar, dass das Kindergeld reformiert werden muss. Die Anreize für mehr Beteiligung der Väter in den Familien fehlen zur Gänze. Die Situation der Kinderbetreuung ist weiter katastrophal. Angesichts dieser Probleme fällt es schwer, zu verstehen, warum so viel Energie in diese wirre Vorgangsweise gesteckt wird", so Rammer abschließend. (Schluss) up/mp

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