Ärzte warnen vor Niedergang ärztlicher Hausapotheken

Pjeta: "drohende Engpässe und Qualitätsverluste bei Medikamentenversorgung in bevölkerungsschwachen Gebieten"

Wien (OTS) - Nach der Aufhebung der Niederlassungsbeschränkung für Apotheken befürchtet die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) eine Verschlechterung der Versorgung mit Medikamenten in ländlichen Regionen. Hintergrund ist die Weigerung der Apothekerkammer einen Kompromiss mit der Ärztekammer zuzustimmen, mit dem die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Hausapotheken abgesichert werden könnte. Die Forderung der Apothekerkammer, dass in allen Gemeinden, in denen mindestens zwei Praktiker angesiedelt sind, eine öffentliche Apotheke eröffnet werden dürfe, bedeute das 'Aus' für 360 ärztliche Hausapotheken", rechnete der Leiter des Hausapothekenreferats der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta, Donnerstag in einer Aussendung vor.

"Die Patienten wären damit deutlich schlechter versorgt als vorher, als sie eine flächendeckende Versorgung mit Medikamenten bis in den letzten Winkel des Landes hatten", warnte Pjeta. Dieses Szenario treffe vor allem ältere, chronisch kranke und immobile Patienten in bevölkerungsschwachen Regionen empfindlich, da für sie nach dem Besuch beim Arzt ein zweiter Weg in eine entfernte Apotheke nötig werde. Pjeta: "Gibt es die Hausapotheke nicht mehr, drohen gerade für diese Patienten Probleme. Den Service, die Medikamente im gleichen Haus zu erhalten, in dem sie auch behandelt werden, gibt es dann nicht mehr." Pjeta machte ferner auf das Problem aufmerksam, das entstehe, wenn nun Ärzte bei Visiten keine Medikamente mehr mitnehmen könnten. Dies sei bei hausapothekenführenden Ärzten üblich und stelle einen weiteren besonderen Service für die Landbevölkerung dar.

Die Pläne der Apothekerkammer decken sich im übrigen auch nicht mit den Vorstellungen der Bevölkerung, berichtete die Österreichische Ärztekammer in ihrer Aussendung. So präferieren einer Umfrage der ÖÄK zufolge 69 Prozent der Befragten die Hausapotheke gegenüber einer öffentlichen Apotheke und meinen, eine Hausapotheke solle jedenfalls auch dann erhalten werden, wenn im Ort eine öffentliche Apotheke aufsperre. Die Umfrage war im Sommer 2005 unter 1.000 Personen in Orten mit hausapothekenführenden Ärzten durchgeführt worden. 93 Prozent der Befragten gaben dabei auch an, es sei für sie angenehmer, am gleichen Ort mit Medikamenten versorgt zu werden, an dem sie auch die Behandlung erhalten.

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