Prammer präsentiert den Sammelband "Liebe und Widerstand" Input feministischer Wissenschafterinnen sei Basis für die Politik

Wien (PK) – Auf Einladung der Zweiten Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wurde heute Abend das Buch "Liebe und Widerstand – Ambivalenzen historischer Geschlechterbeziehungen" im Parlament präsentiert. Der von Ingrid Bauer, Christa Hämmerle und Gabriella Hauch herausgegebene interdisziplinäre Sammelband "stellt mit den Begriffen Liebe und Widerstand zwei nur scheinbar antagonistische Kategorien der neueren Geschichts- und Kulturwissenschaften ins Zentrum der Diskussion". Sie sehe es als eine Verpflichtung an, Bücher im Parlament vorzustellen, die sich mit feministischen Themen auseinandersetzen, betonte die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Der Input feministischer Wissenschafterinnen sei eine wichtige Grundlage für die Politik, war sie überzeugt, wie zum Beispiel bei der Weiterentwicklung des Familien- und Eherechts, das ihrer Ansicht nach dringend überarbeitet werden müsse. Ein großes Anliegen sei ihr auch die Förderung von jungen Wissenschafterinnen und die Erhöhung des Professorinnenanteils an den Universitäten.

Die SPÖ-Abgeordnete und Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses Gabriele Heinisch-Hosek erinnerte daran, dass am Beginn des Sammelbandes ein internationales Symposium stand, das im Herbst 2002 in Wien abgehalten wurde und auf großes Interesse stieß. Mit dieser Veranstaltung sollte eine Pionierin der Frauen- und Geschlechtergeschichte, die österreichische Historikerin Edith Saurer, aus Anlass ihres 60. Geburtstages, gewürdigt werden. Die beiden Schlüsselbegriffe Liebe und Widerstand seien eng mit dem Forschungsprofil von Edith Saurer verbunden, die im Kontext der feministischen Diskussion eingemahnt hatte, "dass eine Geschichte der Geschlechterbeziehungen ohne die Frage nach der Liebe" – nach ihren sozialen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Bedeutungen und Thematisierungen – "nicht geschrieben werden kann".

Danach skizzierten die Herausgeberinnen, die drei Universitätsprofessorinnen Ingrid Bauer, Christa Hämmerle und Gabriella Hauch, die Entstehungsgeschichte des Bandes und präsentierten eine Zusammenfassung der insgesamt 26 Beiträge, die von 28 Autorinnen und Autoren verfasst wurden. Wie es sich mit "Liebe und Widerstand" verhalte, wurde behandelt, oder auch mit "Liebe als Widerstand" und "Liebe oder Widerstand". Und welche Normen und gesellschaftlichen Reglementierungen, Möglichkeiten und Deutungen, Realisierungen und Praktiken von Liebe in historischen Kontexten, und zwar vom 17. Jahrhundert bis heute, auffindbar seien. Gleichzeitig wurden die Autorinnen und Autoren zu "Ausschweifungen des forschenden Blicks auf gegenläufige, "freie" und "verbotene", "romantische" oder "utopische" Liebe im Spannungsfeld von Diskurs und Erfahrung aufgefordert, oder auf Liebesbeziehungen zwischen Weißen und Schwarzen, Männern und Frauen befeindeter Nationen, etc., heißt es im Einleitungskapitel. Dass Liebe in den europäischen Kulturen seit der Aufklärung nachhaltig mit Frauen gleichgesetzt und zum zentralen Instrumentarium ihrer Unterdrückung durch patriarchale Ehe- und Familienverhältnisse wurde, war und ist selbstverständlich auch eine zentrale Denkachse des Buches. Die Beiträge behandeln daher ein sehr breites Spektrum von Themen, die von "Geschlechterbeziehungen im jüdischen Widerstand in Osteuropa", der Untersuchung der "Ehe als Geschlechter- und Gesellschaftsvertrag" bis hin zu "Kirchlichen Heiratsverboten im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Moral und Inzest" reichen.

Anschließend hielt Universitätsprofessorin Edith Saurer ein Referat zum Thema "Liebe und Widerstand – zentrale Kategorien europäischer Geschlechterbeziehungen". Nach einem ausführlichen historischen Abriss zum Thema Liebe und Widerstand ging sie noch auf aktuelle Fragen ein. Sie mache sich große Sorgen um den wissenschaftlichen Nachwuchs, da nur mehr sehr kurzfristige Verträge vergeben werden und generell schwierige Arbeitsbedingungen an den Universitäten herrschen. Deshalb sei hier neuerlich Widerstand gefragt, forderte sie.

Das 469 Seiten umfassende Buch ist im Böhlau Verlag ("L´Homme Schriften. Reihe zur Feministischen Geschichtswissenschaft. Band 10) erschienen.(Schluss)

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