WirtschaftsBlatt Kommentar vom 1.2.2006: Motto: Der Wolferl wird’s schon richten - von Peter Muzik

Wien (OTS) - In Wien liess sich die Bundesregierung strahlend mit der gesamten EU-Kommission ablichten. In Strassburg hat Wolfgang Schüssel eine wunderschöne Rede gehalten. In Villach haben die EU-Minister über "Flexicurity" diskutiert. Und in Salzburg ging am Samstag anlässlich Mozarts Geburtstag das Mega-Spektakel "Sound of Europe" zu Ende. Ein erstes Fazit, wie der Jänner gelaufen ist, sieht aber alles in allem nicht berauschend aus: Der Start der österreichischen Ratspräsidentschaft war inhaltlich nicht gerade fulminant. Bestes Indiz hiefür: EU-Oberboss José Manuel Barroso überschüttete Österreich wegen unpräzise formulierter langfristiger Reformpläne mit harscher Kritik. Und dass es nicht leicht ist, sich in Brüssel Lorbeeren zu holen, musste etwa Finanzminister Karl-Heinz Grasser zur Kenntnis nehmen, der bekanntlich bei den Verhandlungen über die Verlängerung der reduzierten Mehrwertsteuersätze fürs Erste von den Polen eine eindeutige Abfuhr erhielt.
Es ist wie verhext: Die Republik kann tun, was sie will, aber sie bringt eines nicht zustande - es der Europäischen Union einmal recht zu machen. Das gestörte Verhältnis dieses Landes zur EU, das im Jahr 2000 den absoluten und für viele unvergess-lichen Höhepunkt erreicht hat, scheint irreparabel zu sein. Unter anderem hat das mit dem merkwürdigen, negativ besetzten Image zu tun, das Österreich nachhängt. Seit Jahrzehnten mit verächtlichen Schlagzeilen in den Medien - Wein-Skandal, Waldheim-Affäre, Lainzer Mord-Schwestern etc. - verstehen wir es bis heute, uns vor aller Welt zum Deppen zu machen: Der Kärntner Ortstafelstreit, der dem Ansehen des Landes schadet, ist hiefür ein ebenso aktueller Beleg wie die Entführung der "Saliera" oder die groteske Geschichte rund um die Klimt-Bilder. Lauter Storys, die leider um die Welt gehen. Sonst? Abgesehen vom Neujahrskonzert, Lipizzanern, Sängerknaben und dem Gedenkjahr für Wolfgang Amadeus Mozart haben wir scheinbar verdammt wenig zu bieten, was der Welt imponieren könnte. Nicht einmal ein Hermann Maier, den in den USA keiner kennt, oder eine Elfriede Jelinek, die trotz Nobelpreis international ein Nobody ist, können uns da rausreissen, auch ein Arnold Schwarzenegger nicht, der früher für good old Austria ein perfekter Imagefaktor war - doch das war einmal.
Jetzt scheint das Motto, auf dem sämtliche Hoffnungen ruhen, zu lauten: Der Wolferl wird’s schon richten. Womit die Latte so hoch liegt, dass unsere Top-Solisten Wolfgang Amadeus Mozart und Wolfgang Schüssel heillos überfordert sind. Österreich braucht zuerst ein halbwegs gutes Image - erst dann wird das Land international besser ankommen.

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