OeNB-Direktor Christl: Nationalbank begleitet Basel II-Countdown in Österreich

Wien (OTS) - =

Anfang 2007 treten die internationalen Basel II
Standards für die Risikobewertung und Eigenkapitalausstattung von Banken in Kraft. Mit der Verabschiedung der Basel II-Richtlinie durch das Europäische Parlament am 28. September 2005 hat für Österreich der Endspurt für die Einführung und nationale Umsetzung der Regelungen begonnen. "Die Oesterreichische Nationalbank wird die legislative Umsetzung von Basel II in Österreich mit ihrem umfassenden Know-how der Finanzmärkte sowie der spezifischen österreichischen Grundlagen unterstützen," so OeNB-Direktor Dr. Josef Christl

Basel II bringt faire und transparente Regeln für ein stabiles und sicheres Finanzsystem in Österreich und in Europa. Bei den Verhandlungen wurden alle Spielräume für die nationale Umsetzung der Richtlinie ausgeschöpft. Direktor Christl betont, dass dadurch auch österreichische Spezifika berücksichtigt und Verbesserungen für Klein- und Mittelbetriebe, Privatpersonen und gemeinnützige Institutionen durchgesetzt werden konnten. 5 Punkte sind dabei besonders hervorzuheben:

  • Basel II schafft gleiche und transparente Bedingungen für alle Banken und ihre Kunden. Die EU-weite Umsetzung gewährleistet das gleiche rechtliche Umfeld und damit zusätzliche Sicherheit etwa auch im CEE-Raum, wo österreichische Banken massiv expandieren.
  • Basel II bringt dem Rückgrat der österreichischen Wirtschaft - den Klein- und Mittelbetrieben - keine Verschlechterungen. Für sie spielt die Kreditfinanzierung eine zentrale Rolle. Bei Krediten über EUR 350.000 liegt der Anteil der kleinen Unternehmen bei 59% des Kreditvolumens und der mittleren Unternehmen bei 38%. Österreich hatte sich im Vorfeld von Basel II mit Erfolg für Erleichterungen für KMU eingesetzt. Die knapp 300.000 Klein- und Mittelbetriebe mit fast 1,9 Mio. Arbeitnehmern werden im Vergleich zu Großbetrieben sogar begünstigt.
  • Basel II fördert und belohnt die Einführung verbesserter Risikomanagement- und Controlling-Systeme. Damit trägt Basel II auch zur Sicherheit von Spareinlagen und Anlagen bei und erhöht die Sicherheit der Sparer.

- Wohnbaukredite an private "Häuslbauer", auf die 66% des Privatkreditvolumens entfallen, werden gegenüber dem
heutigen System besonders begünstigt.

- Kredite für gemeinnützige Institutionen wie Interessensvertretungen oder Religionsgemeinschaften fallen
in eine günstige Ratingklasse.

In der ersten Jahreshälfte wird der österreichische Gesetzesentwurf zur Begutachtung versendet und sodann der parlamentarischen Behandlung zugeführt werden. Die Beschlussfassung ist bis Ende Juli 2006 geplant. Parallel dazu setzt die OeNB in ihrer Informationstätigkeit maßgeblich auf den Austausch mit Banken, Partnern und Meinungsbildnern und stellt Sachinformationen zur Verfügung:

  • Die OeNB wird gemeinsam mit der FMA in den nächsten Wochen einen weiteren Leitfaden zum Thema Gesamtbankrisikosteuerung veröffentlichen.
  • Die OeNB schnürt spezielle Informationspakete für alle Betroffenen - von Entscheidungsträgern der Legislative bis zu einzelnen Interessengruppen.
  • Die Basel II Infotour durch Österreich in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich wird weitergeführt. Die Vortrags- und Diskussionsabende richten sich besonders an Klein- und Mittelbetriebe.
  • Wie schon bisher können Interessierte den Basel II- Newsletter der Nationalbank mit Neuigkeiten, Fakten, Hintergrundberichten und Hinweisen auf ergänzendes Material beziehen. (Zu abonnieren auf www.oenb.at).
  • Auf Wunsch wird die Nationalbank weiterhin spezifische Informationsveranstaltungen für einzelne Interessensgruppen anbieten, für die der Basel II-Expertenpool zur Verfügung steht.

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