"Kleine Zeitung" Kommentar: "EU bringt Österreich Profit und bleibt doch Feindbild Nummer 1" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 31.01.2006

Graz (OTS) - Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt, den meisten Bewohnern geht es so gut wie nie zuvor. Vieles mögen Fleiß, Initiative und Engagement jedes Einzelnen beigetragen haben, vieles ist aber auch ein Gewinn aus der Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft.

Und dennoch, kein anderes Land in der EU steht dem eigenen Beitritt so negativ gegenüber. Nur noch 32 Prozent, einer von dreien, stehen zur EU, unter den 25 Mitgliedsländern trägt Österreich die rote Laterne. 1994, bei der Abstimmung zum EU-Beitritt, hatten 66,6 Prozent, zwei von drei Wahlberechtigten, mit Ja gestimmt.

Das Blatt hat sich in den vergangenen zehn Jahren gewendet. Österreich führt jetzt bis Ende Juni den EU-Vorsitz und da tun jüngste Umfragen schon weh. Jeder vierte Österreicher ist für einen Austritt aus der Gemeinschaft. 49 Prozent sind der EU noch positiv gesinnt. Anders gerechnet kann man ableiten, die Hälfte aller Österreicher findet irgendetwas an der EU auszusetzen. Diese Ergebnisse decken sich mit früheren Untersuchungen.

Die Österreicher machen ihr Problem mit der EU praktisch an einem Faktum fest: dem Euro, der für sie zum Teuro wurde. Vieles sei eben von persönlicher Erfahrung und Betroffenheit abhängig, formulieren die Meinungsforscher den Umstand, dass die Österreicher seit der Einführung des Euro meinen, für das Leben mehr ausgeben zu müssen als früher mit dem Schilling.

Vorteile, die die EU gebracht hat, werden gern unter den Teppich gekehrt. Dazu zählt die Ostöffnung, die den Unternehmen riesige Marktchancen bietet. Der Zuwachs bei Umsatz und Gewinn wird in großen Unternehmen zu einem oft wesentlichen Teil im Osten erwirtschaftet.

Die außerordentlich flotte Entwicklung der Wiener Börse und die seit dem Vorjahr fast täglich neuen Rekordstände im Leitindex ATX sind der direkte Ausdruck der enormen wirtschaftlichen Aufholjagd im Osten Europas. So sind die Unternehmensgewinne der an der Börse notierten und im Osten agierenden Firmen in den letzten Jahren um 40 Prozent geklettert.

Die Erfolge färben ab. Wenn Finanzminister Karl-Heinz Grasser seinen Kollegen in der EU die heimische Finanzpolitik als Spiegel vorhält, die Privatisierungen aus Staatsbesitz als gelungen darstellt, dann hängt das auch damit zusammen, dass zuerst die Manager diese Betriebe, seien es Voest, Böhler-Uddeholm, Telekom Austria, fit getrimmt haben. Die harte Konkurrenz in der EU hat das Überlebenstraining gefordert.****

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