Moser zu Post: Dividendendruck wird zum Abbau von 1.200 Mitarbeitern führen

Wien (SK) - Nachdem heute Montag in der Hauptversammlung und in
der anschließenden Aufsichtsratssitzung der ÖIAG der Börsengang der Post beschlossen wurde, übte SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser scharfe Kritik an der Privatisierung der Post. "Was bedeutet dieser Börsegang für die Post, die Kunden und die Mitarbeiter?", frage Moser. Vor allem werde der Dividendendruck auf die Post stärker werden. "Im Klartext heißt das, dass 1.200 Arbeitsplätze in der Post gefährdet sind", so Moser. Für den SPÖ-Abgeordneten ist eine Börsegang daher vielmehr ein "Postraub". ****

Als Beleg für diese Annahme zog Moser die Ergebniskennzahl der ebenfalls börsennotierten Deutschen Post und der niederländischen TNT heran. Die Kennzahlen bei diesen Unternehmen, die eine völlig andere Geschäftsstrategie verfolgen, seien doppelt so hoch wie bei der österreichischen Post. Die Umsatzrentabilität bei den Deutschen und Niederländern sei um 50 Prozent höher als in Österreich. Der Gewinn bei der österreichischen Post müsse daher um 45 Millionen Euro gesteigert werden, um an die Zahlen aus den genannten Beispielen heranzukommen. Dieser Betrag entspreche den Ausgaben für 1.200 Post-Arbeitsplätze.

"Das werden die Aktionäre natürlich einfordern, und eine derartige Steigerung der Kennzahlen geht nur über die Reduktion der Arbeitsplätze, da eine Umsatzsteigerung im Inland nicht möglich ist -im Gegenteil: durch die Liberalisierung wird der Umsatz wahrscheinlich zurückgehen", unterstrich Moser.

Zwt.: Aktionäre werden Druck auf liquide Mittel ausüben

Der Dividendendruck werde noch aus anderer Hinsicht steigen, so Moser. Denn die Aktionäre werden auf die von Finanzminister Grasser genannten liquiden Mittel der Post in der Höhe von 300 bis 400 Millionen Euro einen begehrlichen Blick werfen, erwartet der SPÖ-Politiker. "Sie werden versuchen, an dieses Geld heranzukommen, da Geld, das nicht investiert wird, keinen Sinn für ein Unternehmen macht. Die Aktionäre werden daher die Post in den nächsten zwei Jahren auspressen, wenn nicht investiert wird", so Moser.

Dieser Druck berge eine weitere Gefahr, dass nämlich die Post unüberlegte Expansionen vornimmt, die für das Unternehmen keinen Sinn machen. Moser nannte als Beispiel die VA-Tech, die nach dem Börsengang über sehr viel frisches Geld verfügte und damit Verlustankäufe tätigte. "Interessant wird auch sein, welcher Preis erzielt wird. Der Unternehmenswert der Post beläuft sich auf 1,2 Milliarden Euro. Üblich ist, dass Investmentgesellschaften einen Risikoabschlag von 25 Prozent berechnen. Es ist daher zu erwarten, dass die Republik betriebswirtschaftlich gesehen ein schlechtes Geschäft machen wird", so Moser.

Die SPÖ will die Post als flächendeckendes Versorgungsunternehmen erhalten und sie in eine noch zu schaffende Infrastrukturholding einbringen. Die Post soll eine offensive und expansive Unternehmensstrategie verfolgen, wodurch keine Postämter geschlossen, sondern neue Aufgaben unternommen werden sollen, betonte Moser. Als derartige Aufgaben kann sich der SPÖ-Wirtschaftssprecher die Übernahme von öffentlichen Dienstleistungen im ländlichen Raum, wie den Verkauf von Fahrkarten für den öffentlichen Verkehr, oder die Annahmen von Steuererklärungen vorstellen. "Immerhin werden neben Postämter auch immer mehr Bahnhöfe und Finanzämter zugesperrt", schloss Moser. (Schluss) ns

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