AK: Post-Volksaktien sind eine "Farce"

Bei Börsegängen halten Kleinanleger Bruchteil der Aktien - Vermögen bei großen institutionellen Anlegern konzentriert - Postämterschließungen und schlechtere Versorgung sind Folge

Wien (OTS) - Als "Farce" kritisiert die AK den Regierungsplan von Post-Volksaktien. Die Argumentation über Volksaktien und einer breiten Vermögensbildung ist ein Scheinargument, so die AK. Bei Börsegängen kommen vor allem Großinvestoren zum Zug und nicht Kleinanleger. Und diese Finanzinvestoren interessiert nicht die gute Versorgung der Bevölkerung mit Postdiensten, sondern nur der schnelle Gewinn. Ein Unternehmen, das derzeit ohnedies der österreichischen Bevölkerung gehört, wird für einige wenige - zum Teil ausländische Großanleger - zum Schnäppchen. Und die Bevölkerung muss eine schlechtere Versorgung und das Zusperren weiterer Postämter hinnehmen, warnt die AK.

Noch nach jedem Börsegang großer Unternehmen hat sich gezeigt, dass der Aktienbesitz zu einem überwiegenden Teil bei institutionellen Anlegern - vorwiegend aus dem Ausland - konzentriert war. Beispielsweise bei der Telekom Austria ging ein Großteil der Aktien beim Börsegang an institutionelle Anleger. Nur 90.000 Privatanleger haben die Aktie gezeichnet, das war nur knapp über ein Viertel der Gesamtnachfrage, sagt die AK. Zwei Drittel der Aktien wurden aus dem Ausland angefordert.

Auch bei der Aktie der deutschen Post war beim Börsegang 2000 noch rund die Hälfte der Aktien an Privatanleger aus Europa und Japan gegangen. Doch zu Jahresende 2001 waren bereits mehr als zwei Drittel des Streubesitzes in der Hand von institutionellen Anlegern, überwiegend aus Deutschland (31,6 Prozent), USA (21,3 Prozent) und Großbritannien (31,1 Prozent). In der Zwischenzeit sind nur noch 10 Prozent des Aktienkapitals in der Hand privater Anleger.

Generell zeigt sich, dass nur ein Bruchteil der Privatpersonen überhaupt Wertpapiere hat. So besitzen z.B. nur 16 Prozent der Wiener Haushalte Aktien. Österreichweit dürfte dieser Anteil noch weit geringer sein. Kleinverdiener haben kein Geld für die Börse, zumeist sind es besserverdienende Haushalte, so die AK.

Auch bei der Teilprivatisierung der Post über die Börse und der Ausgabe von Volksaktien sind die Folgen vorhersehbar: Zuschlagen werden hauptsächlich Finanzinvestoren, die Renditen wollen und wenig Interesse an einer guten Versorgung haben. Die Postversorgung wird weiter verschlechtert, Postdienste werden eingeschränkt, Postämter werden zusperren und Arbeitsplätze werden abgebaut werden, befürchtet die AK.

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