Broukal fordert Regelung auf europäischer Ebene, um Uni-Krise zu bewältigen

Zugangsbeschränkungen in allen Studien außer Medizin sofort aufheben

Wien (SK) - SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal fordert europaweite Regeln, um die Uni-Krise in Österreich zu entschärfen. "Es wird nichts nützen, wenn Bildungsministerin Gehrer nun die EU oder Deutschland 'hinstreicheln' will, um den Deutschen das Versprechen abzuringen, nicht mehr zum EuGH zu gehen. Denn Gehrer will nun zum alten Zustand zurückkehren und wieder ein 'Ausländerverbot' an Österreichs Universitäten verhängen", so Broukal am Montag in einer Pressekonferenz. Dieses Vorhaben sei aber gescheitert; denn Deutschland könne jetzt 100 Mal versprechen, nicht zu klagen, Rechtssicherheit sei durch informelle Zusagen aber nicht herzustellen, so Broukal, der betonte: "Rechtssicherheit braucht neues Recht." ****

Der einzige Ausweg, den Broukal sieht, ist eben eine Regelung auf europäischer Ebene, wodurch Größenordnungen festgelegt, eventuell auch ein Lastenausgleich vereinbart wird. Für Österreich schlägt Broukal ein Ausländerkontingent in der Höhe von 20 Prozent der Studierenden vor. Das wäre ein Plus gegenüber dem alten Zustand und würde in Europa einen Spitzenwert darstellen. Das Ausländerkontingent sollte über den inländischen Bedarf an Studierenden ermittelt werden. Eine Rückkehr zum alten Zustand, als Ausländer abgeblockt werden konnten, wird nach Ansicht des SPÖ-Wissenschaftssprechers vor dem EuGH nicht haltbar sein. Es wäre auch ein Hohn gegenüber dem EuGH. Der Gerichtshof würde dann schnell wieder reagieren. Es sei auch nicht sinnvoll eine Sonderregelung für Österreich während der Ratspräsidentschaft zu erwirken, ist Broukal überzeugt.

Auf jeden Fall dürfe es zu keiner Überforderung eines Landes durch Studierende aus anderen Ländern kommen. "Wir können nicht das Medizinstudium für die halbe Bundesrepublik übernehmen und bezahlen", so Broukal. Das sei Österreich nicht zumutbar. Wenn man den derzeitigen Zustand einige Jahre fortschreibt, dann werde Österreich innerhalb kurzer Zeit einen Ärztemangel haben. In Graz sind immerhin 40 Prozent der Studienanfängern in Medizin Deutsche, nur noch 57 Prozent Österreicher. Einen internationalen Austausch schon bei Studienanfänger erachtet der SPÖ-Abgeordnete als nicht sinnvoll. Sehr wohl bei fortgeschrittenem Studium, wie beim Doktoratsstudium, wenn jedes Land gleich viele Plätze zur Verfügung stellt.

Zugangsbeschränkungen in allen Studien außer Medizin sofort aufheben

Broukal forderte weiters eine sofortige Aufhebung der Zugangsbeschränkungen in allen Studien außer in Medizin. Zugangsbeschränkungen seien nicht notwendig. Das Studium der Medizin sei insofern eine Ausnahme, da es sehr teuer sei, und da die Plätze für die Studierenden nicht beliebig vergrößert werden können. Immerhin hänge ein gutes Studium sehr von Laborplätzen und von Kliniken ab, wo ausgebildet wird. Broukal kritisierte aber das Testverfahren in Graz scharf, wo zwei Drittel der Studienanfänger "kalt weggeprüft" wurden. Der SPÖ-Politiker fordert daher, dass nun das Geld, das man sich durch die rigorose Beschränkung der Zahl der Studierenden zu sparen vermeint, in die Qualität der Ausbildung fließen muss, es dürfe nicht in andere Projekte abfließen.

Zu dem für die Universitäten in Wien und Innsbruck in Erwägung befindlichen sogenannten "Schweizer Test" sagte Broukal, dass durch diesen Test nicht der "gute Arzt", sondern bestenfalls der "gute Lerner" festgestellt werden könne. Der Test sei kein Berufseignungstest, die soziale Kompetenz des Arztes könne dadurch nicht festgestellt werden. Das werde auch von niemand bestritten. Broukal fordert eine fachliche Diskussion darüber, wie die Zugangsbeschränkungen beim Medizinstudium aussehen sollen. So gebe es neben einem Test vor dem Studium noch die Möglichkeit einer Eingangsphase, nach der mehrere Prüfungen mit Wiederholungsmöglichkeit abgenommen werden. "Derzeit haben wir aber zu wenige Informationen, wie es am besten zu machen ist", schloss Broukal. (Schluss) ns

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