Kulturnation Österreich auf dem Prüfstand Kulturbericht 2004 liegt dem Parlament vor

Wien (PK) – Weniger Geld, weniger Besucher, aber angesichts der internationalen Rahmenbedingungen akzeptable Resultate. So lässt sich der Inhalt des Kulturberichts 2004 des Bundesministeriums
für Bildung, Wissenschaft und Kultur zusammenfassen, der dieser Tage dem Nationalrat zugeleitet wurde. (III-190 d.B.)

"Die Entwicklung der Bundesmuseen als vollrechtsfähige wissenschaftliche Anstalten war das zentrale Thema der Museumspolitik im Jahr 2004", hält Bundesministerin Elisabeth Gehrer in ihrem Vorwort zum Bericht fest. "Nach der Schaffung der rechtlichen Grundlage für die Eigenständigkeit der Bundesmuseen wurden die Erfahrungen mit der Vollrechtsfähigkeit einer umfassenden Evaluierung unterzogen. Dabei haben internationale Museumsexperten die Häuser im Hinblick auf ihr Profil, ihren Stellenwert und Bekanntheitsgrad, ihren Bildungsauftrag, ihre wissenschaftlichen Forschungsleistungen und ihre inhaltlichen Positionierungen untersucht. Neben der inhaltlichen Evaluierung wurde 2004 auch die Sicherheit der Bundesmuseen einer
ausführlichen Analyse unterzogen. Die Ergebnisse des Berichts dienten als Grundlage für die Modernisierung und Adaptierung der Sicherheitssysteme der einzelnen Häuser. Die dafür nötigen Maßnahmen werden ab 2005 zügig umgesetzt."

Laut Gehrer war der kulturelle Anziehungspunkt im Jahre 2004 das Museumsquartier, das sich drei Jahre nach seiner Eröffnung zu
einem "dreidimensionalen Kulturviertel im Herzen Wiens
entwickelt" habe. Die Besucherzahlen belegten, dass das MQ ein "Fixstern des Kulturgeschehens in Österreich geworden" sei. Ein weiteres Highlight sei die Eröffnung der neuen Lesesäle der ÖNB gewesen: "Die zeitgemäße, angenehme Raumgestaltung macht die Lesesäle zu einem benutzerfreundlichen Ort des Studiums, der Lektüre und der persönlichen Begegnung." Ein Erfolg sei auch im Bereich der UNESCO Konvention zum Schutz des Kultur- und
Naturerbes der Welt erzielt worden. In Österreich sind bereits
acht Objekte in die diesbezügliche Liste eingetragen: die Altstädte von Wien, Salzburg und Graz, die Kulturlandschaften Hallstatt-Salzkammergut, Wachau und Neusiedlersee, Schloss Schönbrunn und die Semmeringbahn. Gehrers Fazit: "2004 war damit insgesamt von einer Intensivierung der zeitgemäßen Vermittlung kultureller Angebote gekennzeichnet."

Bilanz eines Jahres

Ein leichtes Minus ist bei den Aufwendungen des Bundes für Angelegenheiten der Kultur zu verzeichnen. Gab das Ministerium
2002 noch 151,7 Mio. Euro dafür aus, so waren es 2003 noch 150,8 und im Berichtsjahr nur noch 148,0 Mio. Euro. Für die
Bundesmuseen gab es eine Basisabgeltung in Höhe von 69,75 Mio. Euro, von der ein knappes Drittel auf das KHM entfiel. Mit Respektabstand folgen das Technische Museum (11,3 Mio. Euro), das MAK und das MuMoK mit knapp 8 bzw. 7,4 Mio. Euro.

Die Besucherzahl der Bundesmuseen ging im Berichtsjahr mit 3,57 Millionen gegenüber dem Jahr davor mit 3,62 Millionen Personen etwas zurück. Die größten Einbrüche verzeichneten dabei das KHM mit knapp 7 Prozent Minus (von 1,36 Millionen auf 1,27 Millionen Besucher) und die Albertina, bei der nach der Anfangseuphorie im Gefolge der Neueröffnung Normalität eingekehrt zu sein scheint. Positive Entwicklungen verzeichneten hingegen das MuMoK, das MAK, das Ethnographische und das Naturhistorische Museum mit zum Teil beträchtlichen Besucherzuwächsen.

Die Bundesmuseen

Nach einem Überblick über Investitionsprogramme, Förderungen, Stiftungen und Kulturkommunikation bildet der Teil über die Bundesmuseen den Hauptteil des Berichts. Breiten Raum nimmt naturgemäß das KHM ein, dem im Bericht 14 Seiten gewidmet sind. Dieses Museum teilt sich mittlerweile auf acht Standorte auf und verwaltet eine Gesamtfläche von 65.000 Quadratmetern. Die Museumsverantwortlichen führen das Besucherminus einerseits auf
die bevorstehende Schließung des Völkerkundemuseums wegen einer Generalsanierung, andererseits auf die Schließung diverser Abteilungen des Haupthauses (Antikensammlung, Kunstkammer) sowie
auf die Auflassung des Standortes Palais Harrach zurück. Bei den Besuchern halten sich voll zahlende und nicht zahlende Personen
mit je 25 Prozent in etwa die Waage. Die übrigen 50 Prozent betraten das Haus zu ermäßigten Tarifen. Der Anteil der zahlenden Besucher sei somit "weiterhin auf einem sehr hohen Niveau", heißt es dazu in dem Bericht.

Unter den Sonderausstellungen ragten 2004 die Werkschau von
Francis Bacon sowie die Ausstellung "Flämische Landschaften 1520-1700" hervor. Bestände des Museums wurden auch im Ausland, so namentlich in Warschau, Danzig und Las Vegas gezeigt.

Ein Besucherplus verzeichnete das Naturhistorische Museum,
welches sich von 302.976 auf 318.640 Besucher steigern konnte. Highlight der Ausstellungsarbeit war sicherlich die "Ötzi"-Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler
Archäologiemuseum Bozen.

Zahlreiche bedeutende und bemerkenswerte Aktivitäten entwickelte auch im Jahre 2004 die Österreichische Galerie Belvedere, unter denen unter anderem die Sonderschauen "Stimmungsimpressionismus"
und "Moritz von Schwind" herausragten. Die Besucherzahlen entwickelten sich auch im Belvedere positiv, während diese in der Albertina leicht rückläufig waren, was aber in diesem Fall darauf zurückzuführen ist, dass 2003 als Jahr der Wiedereröffnung der Albertina eine Ausnahmesituation darstellte. Das hohe Niveau der gebotenen Ausstellungen konnte dessen ungeachtet gehalten werden. Klimt, Rubens, Rembrandt, Michelangelo und Chagall waren nur
einige der zahlreichen Sonderschauen gewidmet, welche die
Albertina international im Spitzenfeld der Kunsttempel
etablierten.

Gleichfalls ungebrochen positiv verläuft die Entwicklung des MAK, welches seine Besucherzahlen neuerlich auf nunmehr knapp 200.000 steigern konnte. Ähnliches gilt für das MuMoK, welches 2004 mit Ausstellungen zu John Cage, Mike Kelly und Ruth Beckermann aufwartete.

Österreichische Nationalbibliothek

Die ÖNB ist auch weiterhin ein Prunkstück der Kulturnation Österreich. Mit rund 3,5 Millionen Büchern, 2,5 Millionen Bilddokumenten, einer halben Million Manuskripten und ca. 700.000 sonstigen Materialien wird die ÖNB ihrem Ruf als nationalem Gedächtnis mehr als gerecht. Zudem organisierte die ÖNB 2004 insgesamt neun Ausstellungen, unter denen "Die neue Welt der
alten Palimpseste", "Spiel am Nil" und "Geraubte Bücher" herausragten. Hervorragend angenommen wurden auch die "ÖNB-Literatursalons", bei denen eine Reihe von Neuerscheinungen österreichischer AutorInnen präsentiert wurde. Trotz der Behinderungen durch diverse Bauarbeiten konnte die Zahl der Lesesaalbenützungen auch im Berichtszeitraum neuerlich erhöht werden. Unverändert wird die Aktion "Buchpatenschaft"
fortgeführt, ähnliche Projekte wurden zusätzlich in Angriff genommen. Die ÖNB schließt auch im dritten Jahr ihrer Vollrechtsfähigkeit mit einer positiven Bilanz hinsichtlich des Budgets ab, hält der Bericht fest.

Hofmusikkapelle

Die Hofmusikkapelle setzte auch 2004 die Reihe ihrer konzertanten Auftritte fort und gab dabei Werke von Vivaldi, Schubert und
Antonio Caldara. Insgesamt wohnten den Aktivitäten der Kapelle 25.500 Besucher bei, was einer finanziellen Eigendeckung von 87 Prozent entspricht. Die Räumlichkeiten der Kapelle wurden 2004
von 3.100 Personen besucht.

Volkskultur

Einen wichtigen Punkt in der Kulturpolitik nimmt die Volkskultur ein. 2004 wurden unter anderem das Alphorntreffen im kleinen Walsertal, der alpenländische Volksmusikwettbewerb in Innsbruck, das Musikfestival "Glatt und Verkehrt" in Krems sowie die Internationalen Puppentheatertage in Mistelbach gefördert und unterstützt.

Denkmalschutz

Schließlich legt der Bericht auch Rechenschaft über den
heimischen Denkmalschutz ab. Insgesamt stellte der Bund 14,6 Mio. Euro für Maßnahmen des Denkmalschutzes zur Verfügung, mit denen exakt 1.500 Projekte unterstützt wurden. Die meisten davon
befanden sich in Niederösterreich (352) und Wien (213). Rechnet
man die zweckgebundenen Sponsorgelder hinzu, so wurden insgesamt 19,1 Mio. Euro an Förderungen im Berichtszeitraum vergeben.

Ein Überblick der Aktivitäten des Bundesdenkmalamtes bildet den Abschluss des Berichts. Die denkmalpflegerischen Maßnahmen
reichten dabei von der Fassadenreinigung und -restaurierung über die Generalsanierung bis hin zu innenarchitektonischen Schritten, über die, nach Bundesländern geordnet, Rechenschaft abgelegt
wird. Ein Abschnitt über die Öffentlichkeitsarbeit rundet den umfangreichen, detaillierten und reichhaltig illustrierten
Bericht ab. (Schluss)

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