Neustart für die "vergessenen" Kinder in den ärmsten Ländern Europas

Die Caritas sammelt im Februar für Straßenkinder und Sozialwaisen

Wien (OTS) - In Ländern wie der Ukraine, Moldawien oder Weißrussland kommt es vor, dass Babys nach der Geburt im Spital "vergessen" werden. Ihre Mütter lassen sie dort zurück, weil sie einfach nicht wissen, wie sie sie ernähren sollen "Große Not erkennt man an solchen Taten der Verzweiflung", sagt Caritaspräsident Franz Küberl. Kinder aus den ärmsten Ländern Europas hätten häufig nicht nur einen schweren Start, sondern manchmal nicht einmal eine echte Überlebenschance: "Ihre ,Bruchlandung knickt nicht nur ihre zarten Seelen, sondern liefert sie auch tödlichen Krankheiten wie Tuberkulose schutzlos aus. Anderen droht ein Schicksal als Straßenkind", so Küberl. "Vergessen", weil ihren Vätern und Müttern das Geld fehlt, um sie ernähren zu können. "Vergessen", weil ihre Eltern ihre Perspektivenlosigkeit im Alkohol ertränken und sich deshalb nicht mehr um sie kümmern können. "Vergessen" von der Familie, oftmals aber auch im Stich gelassen von Staat und Gesellschaft: Für die betroffenen Kinder in den ärmsten Ländern Europas sammelt die Caritas in ihrer heurigen Februarkampagne.

Küberl ist soeben gemeinsam mit dem Wiener Caritasdirektor Michael Landau und der Osteuropa-Expertin Barbara Coudenhove-Kalergi von seinem Lokalaugenschein in der Ukraine zurückgekehrt, wo die bittere Armut Kinder am härtesten trifft und die Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl auch noch 20 Jahre danach das Leben prägen. Ein Drittel der insgesamt 48 Millionen Menschen lebt dort UNO-Angaben zufolge in extremer Armut. Die Arbeitslosigkeit - offiziellen Zahlen zu Folge bei 12 Prozent - klettert in manchen Gegenden auf bis zu 40 Prozent.

Landau: "Extreme Not gleich vor unserer Haustür"

"Es sind immer die gleichen Gruppen, die am schlimmsten betroffen sind: Die Kinder und die alten Menschen - in Mittel- und Osteuropa, im Kosovo, der Ukraine, in Moldawien, Weißrussland, Rumänien, um nur einige Länder zu nennen, in denen sich die Caritas engagiert. Etwa jedes dritte Kind in Osteuropa lebt in Armut - laut UNICEF-Report sind das 14 Millionen Kinder. Und nach offiziellen Angaben leben etwa 120.000 Kinder in der Ukraine ohne Eltern, die sich um sie kümmern können, als Straßenkinder und Sozialwaisen", betont der Wiener Caritasdirektor Michael Landau. Allein in Kiev seien es etwa 10.000:
"Und Kiev ist von Wien weniger weit entfernt, als London oder Paris! All das geschieht vor unserer Haustüre und in unserer Nähe!" Dabei brauche es nur wenig, um den betroffenen Mädchen und Burschen die Chance auf eine bessere Zukunft zu eröffnen, unterstreicht Landau:
"Knapp ein Euro am Tag genügt für Essen, Kleidung, einen Platz zum Schlafen, vor allem für Schule und Bildung und damit für Hoffnung und Perspektive!", sagt der Wiener Caritasdirektor.

Coudenhove-Kalergi: "Hilfe ist heute nötiger denn je"

Barbara Coudenhove Kalergi hatte schon vor vier Jahren die Gelegenheit, mit der Caritas die Ukraine zu besuchen. Ihr Vergleich mit der heutigen Lage: "Mein Eindruck ist zwiespältig: die materielle Lage der Menschen hat sich ein Jahr nach der orangen Revolution nicht verbessert, eher verschlechtert. Die Caritas-Projekte dagegen hätten große Fortschritte gemacht und profitierten auch ein wenig von dem etwas entspannteren politischen Klima. Insgesamt seien die großen Hoffnungen nach der Revolution, so scheint es, einer allgemeinen Enttäuschung gewichen. Die Schere zwischen - sehr wenigen - Reichen und vielen Armen klaffe immer weiter auseinander, so Coudenhoves Resumee: "Mittelstand gibt es so gut wie gar keinen mehr. Hilfe ist heute nötiger denn je."

Das eindrucksvollste Beispiel für den Fortschritt der Caritas-Projekte war für die Osteuropa-Expertin das Kinder -TBC Spital in Charkov. "Als wir vor vier Jahren dort waren, lagen viele Kinder in Betten ohne Leintuch. Es war herzzerreissend mitanzusehen, wie dort etwa ein Baby auf einem blanken Eisengitterbett liegen musste. Heute ist das Spital nicht mehr wiederzuerkennen: gutes Essen, ausreichende Medikamente, freundliche Räumlichkeiten. Die Kinder sind nicht mehr die bleichen kleinen Gespenster von damals und haben gute Chancen auf völlige Heilung", berichtet Coudenhove-Kalergi.
"Aus Erfahrung wissen wir: Je früher die Kleinen dem Leben auf der Straße entkommen, desto größer ist ihre Chance auf ein "normales" Leben", betont Küberl.
Bildung sei ein wesentlicher Motor, um aus der Sackgasse herauszufinden. Im Caritas -Tageszentrum in Kiev kümmern sich unter anderem auch drei ehemalige Straßenkinder ehrenamtlich um ihre LeidensgefährtInnen. Zwei von ihnen gehen noch in die Schule, eine dritte arbeitet im Gastgewerber. Küberl: "Sie sind der beste Beweis dafür, dass auch die Kinder, die mit einer Bruchlandung ins Leben begonnen haben, mit Zuwendung und Förderung in eine bessere Zukunft starten können."

Küberl: "Armutsbekämpfung muss in Europa zum Hauptfach werden"

Um Armut wirksam zu bekämpfen braucht es neben dem persönlichen Engagement aber auch einen gesamteuropäischen Kraftakt, ist Küberl überzeugt. Vor allem die reicheren Länder seien hier gefordert, ihre Anstrengungen zu verstärken, um die dafür nötigen Mittel aufzutreiben: "Die Besteuerung der Spekulations-Erträge aus Finanztransaktionen ("Tobin -Tax") wäre ein erster, sinnvoller Schritt. Armutsbekämpfung muss in Europa endlich vom Freifach zum Hauptfach am Vormittag werden."

"Der wirtschaftlichen Globalisierung muss eine Globalisierung des Verantwortungsbewussteins folgen", ist Landau überzeugt: "Schon ganz nüchtern gesprochen nicht zuletzt deshalb, weil Wohlstandsinseln in einem Meer von Armut nicht auf Dauer stabil sind." Den EU-Ratsvorsitz solle Österreich nutzen, um den Gedanken der internationalen Solidarität zu stärken.

Wiener Städtische und Erste Bank helfen mit

Die Caritas freut sich, dass die Hilfsaktion auch heuer mit sehr geringen Kosten auskommt. Die Kooperation mit Erste Bank und Wiener Städtische hilft, die Produktionskosten zu decken. ORF, Plakatwirtschaft und Printmedien, private Hörfunk- und Fernsehsender stellen Werbung zum Nulltarif zur Verfügung.
"Wir kümmern uns als größter österreichischer Versicherungskonzern in Zentral- und Osteuropa um das Sicherheitsbedürfnis der Menschen", erläutert Wiener Städtische Generaldirektor Günter Geyer. "Mit der Unterstützung dieses wichtigen Caritas-Projektes geben wir den Ärmsten wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft."
Die Unterstützung der Caritas-Arbeit durch die Erste Bank geht heuer bereits in ihr zehntes Jahr: "Die Entwicklung der Erste Bank-Gruppe zu einem der führenden Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa ist nicht nur mit der Übernahme von Banken, sondern auch mit der Übernahme von Verantwortung verbunden. Die Arbeit der Caritas ist unglaublich wichtig, sind doch die Gesellschaften in dieser Region durch massive Veränderungen und Bruchstellen geprägt", begründet Boris Marte, Head of Group Sponsoring der Erste Bank, das Engagement.

Hilfe aus Österreich in 16 Ländern

Insgesamt hilft die österreichische Caritas in den ärmsten Ländern Europas mit rund 280 Projekten in 16 Ländern. In Tageszentren und Kinderhäusern erhalten Straßenkinder und Sozialwaisen neben Geborgenheit, Essen und einem Dach über dem Kopf auch die Chance auf Bildung. Die Hilfe durchbricht den Teufelskreis von Not, Perspektivenlosigkeit, Verzweiflung, Alkoholismus und Gewalt. Hilfe, die nur mit Unterstützung vieler SpenderInnen möglich ist. "Wir bitten Sie, helfen Sie mit, dass wir möglichst vielen "vergessenen" Kinder einen Start in eine bessere Zukunft ermöglichen können. Jeder Euro schenkt Zukunft! Und für viele dieser Kinder ist die Hilfe, auch aus Österreich, lebens- und überlebenswichtig", appellieren Küberl und Landau deshalb an die heimische Bevölkerung.

Vergessen. Kinder in Not brauchen Ihre Hilfe.
Mit 25 Euro sichern Sie einem "vergessenen" Kind einen Monat lang Essen, Kleidung, Schulbesuch und ein Dach über dem Kopf. Bitte helfen Sie uns helfen!
Spendenkonto: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Osteuropa-Hilfe

Service:
Fotos zur laufenden Caritas-Spendenkampagne zur honorarfreien Verwendung unter:
http://bild-db.caritas-wien.at:80/imagine/ims/login.do
Bitte geben Sie folgenden PIN-Code ein: C52KP
Die weiteren Felder der Maske füllen Sie bitte nicht aus.

Rückfragen & Kontakt:

Caritas Österreich
Mag. Silke Ruprechtsberger, Caritas Österreich
Tel: 01/488 31 - 417 bzw. 0664/82 66 909

Caritas der Erzdiözese Wien
Mag. Doris Becker
Tel: 01/878 12 -221 bzw. 0664/848 26 18

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