Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Die Armut ist der Feind (von Eva Weissensteiner)

Ausgabe, 28. Jänner 2006

Klagenfurt (OTS) - Das palästinensische Volk hat gewählt und die Welt reagiert fassungslos. Als hätte sie nicht jahrelang untätig zugesehen, wie sich die Autonomiebehörde in einen Tümpel der Misswirtschaft verwandelt. Als hätte sie nicht jahrelang um des lieben Friedens (Frieden?) willen Milliarden in die Taschen der korrupten Fatah-Führer gebuttert. Als hätte sie nicht jahrelang die Augen verschlossen vor dem wirtschaftlichen Elend der palästinensischen Bevölkerung.

Eine Bevölkerung, die das Instrument der Demokratie dazu nutzte, Korruption, Misswirtschaft und Elend abzuwählen. Die Welt, die Palästina dieses Instrument in die Hand gab, muss nun mit den Konsequenzen leben. Und wird vielleicht aus ihnen lernen: Nicht das Wahlrecht allein ist Garantie für politische Stabilität, sondern die Möglichkeitzu wählen. Die Palästinenser hatten keine Wahl. Sie sagten lediglich Nein zu Trost- und Hoffnungs-losigkeit. Was dabei herauskam, war ein Ja zu Radikalität.

Jene Regierungen, die den Kampf gegen den Terror auf ihre Fahnen heften, müssen erkennen: Nicht der Terror, die Armut ist der größte Feind der Demokratie. Nicht Raketen und Bomben bringen Frieden, sondern soziale Sicherheit. Not und Elend sind der Nährboden für Hass und Gewalt. Und mit geballter Faust kann man niemandem die Hand reichen.

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