"Open Source ist gekommen, um zu bleiben"

Unterschiede zwischen kommerzieller Software und Open Source verlieren an Bedeutung - Kostenfrage nicht eindeutig beantwortbar

Wien (OTS) - Die Diskussion um Vor- und Nachteile von
kommerzieller beziehungsweise Open Source-Software hält seit Jahren unvermindert an. Inzwischen hat die Auseinandersetzung aber an Schärfe verloren, die Vertreter der beiden "Welten" entdecken erste Gemeinsamkeiten. "Den Krieg der Studien und ideologische Debatten sollten wir hinter uns lassen", erklärte Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich, bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community am Donnerstagabend in Wien.

"Die beiden Systeme schließen sich nicht aus. Brücken können gebaut werden, zum Beispiel bei der Interoperabilität", so Lutz. In den nächsten Jahren müsse wieder mehr über den Nutzen geredet werden, das fehle zurzeit noch. "Open Source ist gekommen, um zu bleiben. Da gibt es durchaus valide Geschäftsmodelle. Die Wirtschaft kann mit beidem umgehen, da gibt es keine Unvereinbarkeit", ist der Microsoft-Vertreter überzeugt. Die "reine Lehre" der so genannten freien Software sei ein anderes Kapitel: Hier würde versucht "die Welt besser zu machen, indem man Software dem Markt entzieht und fordert, dass sie kein Wirtschaftsgut sein darf". "Software muss per se eine handelbare Ware bleiben", so Lutz.

Unter dem Strich gebe es Erhebungen, bei denen kommerzielle Software ein paar Prozent günstiger oder auch ein bisschen teurer sei als Open Source. Die Lizenzkosten bei kommerzieller Software würden zwischen fünf und acht Prozent der Gesamtkosten betragen. Personal und Ausbildung stellen laut Lutz den größeren Faktor dar - und der sei bei Open Source üblicherweise teurer.

"Bei Großkonzernen machen die Lizenzkosten, die vornehmlich ins Ausland fließen, schon mal ein paar Millionen Euro aus", merkte hingegen Gerhard Schwed von der Donau-Universität Krems an. Wenn die heimischen Unternehmen durch Schulungen, den Zukauf von Dienstleistungen und eigene Programmierung in "freie Software" investieren würden, könnte Know-how aufgebaut und eine gewisse Unabhängigkeit erreicht werden.

"Höhere Sicherheit ist eine Legende"

Allerdings sieht der Experte die ehemals wichtigen Unterscheidungskriterien zwischen kommerzieller Software und Open Source an Bedeutung verlieren: "Die Gesamtkosten bei Linux sind vergleichbar mit Windows und die höhere Sicherheit, Stabilität sowie Verlässlichkeit von Open Source ist eine Legende aus der Vergangenheit", stellte Schwed fest. Allerdings sei die Plattformunabhängigkeit "ein Mehrwert, keine Einschränkung".

Nicht nur eine große Chance, sondern "inzwischen fast eine Notwendigkeit für die gesamte IT-Branche", sieht Angelika Gößler, Sprecherin der Open Source Experts in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), im Einsatz von Open Source. Man müsse das Rad nicht immer neu erfinden, sondern könne auch auf bestehendes Know-how zurückgreifen.

"Warum haben wir so viele Anfragen, obwohl jede Migration sehr kostenintensiv ist? Weil die Kunden mit kommerzieller Software unzufrieden sind. Es ist nicht nur ein Kostenfaktor, wieso sich die Unternehmen auf die Suche nach Alternativen machen", ist Gößler überzeugt. Open Source und freie Software seien kein Wundermittel für alle IT-Probleme, würden aber zu Interoperabilität, offenen Standards, Verkürzung von Entwicklungszeiten und IT-Sicherheit beitragen.

"Wir sollten das rational sehen. Open Source eignet sich nicht für jeden Einsatzzweck und für
jedes Unternehmen", so Manuel Aghamanoukjan von der Gentics Software GmbH. Kommerzielle Software biete eine entsprechende Dokumentation, gesicherten Support, Wartung und Schulung sowie eine definierte Entwicklungs-Roadmap.

Open Source stelle nur dann eine vernünftige Alternative dar, wenn viel Know-how und wenig Geld im Unternehmen vorhanden seien. Durch den Einsatz von Open Source-Komponenten für Standard- und Supportfunktionalitäten könnten sich Hersteller proprietärer Software allerdings auf die Entwicklung der produktspezifischen Merkmale konzentrieren.

"Die Unternehmen wollen eine Lösung, die funktioniert und bei der Haftungsfragen und Co. klar geregelt sind. Ideologie ist da fehl am Platz", ergänzte Robert Scheidl von der auf Informationstechnologie spezialisierten Organisation ITBeurope. Viele heimische Firmen seien bereits im Open Source-Bereich tätig. "Für Klein- und Mittelunternehmen ist das - abhängig von der Branche - ein interessantes Geschäftsmodell", so Scheidl.

Die sowohl von Open Source-Initiativen als auch von Softwarekonzernen angeregten Studien zu Return on Investment (ROI) und Total Cost of Ownership (TCO) seien hauptsächlich ein PR- und Marketinginstrument. "Die Kostenfrage ist nicht eindeutig beantwortbar, weil sie von Installation zu Installation verschieden ist. Das kann man nicht über einen Kamm scheren", meint der Experte.

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