AK Untersuchung zeigt: Jedes vierte Unternehmen veröffentlicht seine Bilanzen nicht ordentlich

AK fordert härtere Sanktionen und schärferes Durchgreifen der Firmenbuchgerichte

Wien (OTS) - Jedes vierte Unternehmen veröffentlicht seine
Bilanzen nicht ordentlich. Das zeigt eine aktuelle AK Untersuchung (Stichtag: 26. Jänner) von 110 großen heimischen Kapitalgesellschaften. Bilanzen werden oft mit mehrjähriger Verspätung beim Firmenbuch hinterlegt. "Solche Bilanzen sind wertlos", sagt Heinz Leitsmüller, Leiter der AK Abteilung Betriebswirtschaft, "sie sagen nichts mehr über Liquidität oder Ertragslage eines Unternehmens aus. Gläubiger, Kunden und Arbeitnehmer müssen aber wissen, mit wem sie sich einlassen." Für die AK ist die Pflicht zur Erstellung von Jahresabschlüssen kein Selbstzweck. Unaktuelle Daten sind häufig Ursache für Unternehmenskrisen, insbesondere bei Klein- und Mittelbetrieben. Daher fordert die AK bei Verletzung der Veröffentlichungspflicht härtere Sanktionen und schärferes Durchgreifen der Firmenbuchgerichte.

Jedes vierte Unternehmen veröffentlicht nicht ordnungsgemäß

Laut Gesetz müssen GmbHs und Aktiengesellschaften in Österreich spätestens nach 9 Monaten ab Bilanzstichtag ihre Bilanzen beim Firmenbuch hinterlegen. Mit Stichtag 26. Jänner 2006 haben die Betriebswirtschafts-Experten der AK Wien im Firmenbuch (via Compass) stichprobenartig untersucht, wie es österreichische Unternehmen mit der Veröffentlichungspflicht halten. 27 von 110 untersuchten Unternehmen sind den gesetzlichen Verpflichtungen nicht ordentlich nachkommen. Untersucht wurden bedeutende Kapitalgesellschaften -Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigte (Ausnahme DSM mit 932 Beschäftigten)

Namhafte Unternehmen wie Julius Blum GmbH, Hornbach Baumarkt GmbH, Anton Schlecker GmbH, Kika Möbel-Handels GmbH, XXX-Lutz GmbH haben die Bilanz des Jahres 2004 noch immer nicht veröffentlicht. Andere wieder haben die Jahresabschlüsse für 2004 zwar bereits eingereicht, allerdings erst nach der gesetzlichen Frist von 9 Monaten. Beispiele dafür sind Merkur Warenhandels AG, Austria Tabak GmbH& Co KG oder MPreis Warenvertriebs GmbH.

Zufallsstichproben außerhalb dieser Untersuchung zeigen, dass die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bei Klein- und Mittelbetrieben voraussichtlich noch schlechter ist.

Nicht enthalten sind in dieser Studie Unternehmen wie Rauch Fruchtsäfte GmbH&Co, Nestle Austria Holding GmbH, Manpower Holding GmbH, Parfumerie Douglas GmbH, Meinl am Graben GmbH oder die Billa AG, bei denen in einigen Fällen schon mehrere Jahre keine Jahresabschlüsse mehr hinterlegt wurden.

Es geht auch anders...

Die AK will auch jene Unternehmen aufzeigen, die ihrer Veröffentlichungspflicht rasch nachkommen. Von Stiefelkönig, H&M, Voest Alpine oder Verbund finden sich schon nach knapp 3 Monaten nach dem Stichtag die Daten im Firmenbuch. Ein Beweis, dass es auch anders geht.

AK fordert schärfere Strafen und härteres Durchgreifen

Die Arbeiterkammer fordert die betreffenden Unternehmen auf, sich an die Gesetze zu halten und die entsprechenden Informationen rechtzeitig zur Verfügung zu stellen.

+ Darüber hinaus soll das zuständige Firmenbuchgericht härter durchgreifen und so wie es das Gesetz vorsieht, die Sünder von Amts wegen auffordern, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
+ Die im Handelsgesetzbuch vorgesehenen Sanktionen sind viel zu gering. Vor allem für große Kapitalgesellschaften scheint die Maximalstrafe von 3.600 Euro keinerlei abschreckende Wirkung zu haben. Die Strafe sollte vor allem für große Gesellschaften deutlich verschärft werden.
+ Weiters sollte im Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers dargestellt werden, ob das Unternehmen der Veröffentlichungspflicht im vorangegangenen Jahr entsprechend nachgekommen ist. Ebenso hat der Aufsichtsrat die Einhaltung dieser Vorschriften zu überprüfen.

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