"Kleine Zeitung" Kommentar:"Die Kunst dient der Regierung vor allem als hübsche Kulisse" (Von Ernst Naredi-Rainer)

Ausgabe vom 27.01.2006

Graz (OTS) - Wolfgang Schüssel sonnt sich im Glanz von Wolfgang Amadeus Mozart. Die in alle Welt übertragenen Salzburger Feiern zum 250. Geburtstag des Jahrtausendgenies erschienen ihm als angemessener Hintergrund, um seine Übernahme der EU-Präsidentschaft zu zelebrieren. Zum Bemühen, mit vielen Politikern und einigen Geistesgrößen einen "Sound of Europe" zu kreieren, passt der gemeinsame Besuch des heutigen Festkonzerts der Wiener Philharmoniker perfekt.

Schließlich hat sich heuer ja schon ein Auftritt des österreichischen Paradeorchesters als idealer Termin für ein Foto-shooting erwiesen:
Die Bilder vom gemeinsamen Neujahrskonzertbesuch des österreichischen Bundeskanzlers und seiner deutschen Amtskollegin fanden sich in vielen Gazetten.

Auch die Fotos aus Salzburg sollen eine ähnliche Botschaft transportieren: Österreich ist eine Kulturnation.

Etlichen Mitgliedern der Wiener Philharmoniker, die bei diesen Inszenierungen mitspielen dürfen, stößt diese Botschaft sauer auf. In ihrem Hauptberuf, als Orchester der Wiener Staatsoper, fühlen sie sich von der Politik schlecht behandelt.

Seit 1999 hat die Regierung die gedeckelten Subventionen für die Bundestheater nicht erhöht. Trotz aller Einsparungen gibt es nun für Bezugserhöhungen keine Budgetreserven mehr. "Wir wollen ohnehin nur eine Abgeltung der Inflationsrate", beteuert ein Musiker, der sich durchaus vorstellen kann, den Gehaltsverhandlungen mit einem Streik Nachdruck zu verleihen. Vielleicht sogar bei einer Aufführung, zu der österreichische Politiker ihre EU-Kollegen ausführen wollen.

Dann wäre die Potemkinsche Fassade von der österreichischen Kulturnation wohl gründlich zerstört. Schwer angekratzt ist sie ohnehin schon, denn Elisabeth Gehrer hat mit dem barschen Ton ihrer ersten Erklärung zu den Klimt-Bildern, für einen Ankauf habe der Staat kein Geld, die Einstellung dieser Regierung zur Kunst drastisch verdeutlicht.

Immer lauter werdende Hilferufe aus den Bundestheatern prallen an der Regierung ab. Der Kunstkanzler schweigt, sein Staatssekretär Franz Morak will unbedingt noch vor den Wahlen die Nachfolge von Klaus Bachler regeln, der erst 2009 die Burgtheaterdirektion aufgibt. Damit begibt er sich in das Lager der von seinem Chef angeprangerten "Besitzstandswahrer". In der weniger glamourösen und ideologisch kaum einsetzbaren Volksoper jedoch, die Direktor Rudolf Berger schon 2007 verlässt, scheint ihm keine Eile geboten. Das wirkt verantwortungslos. Oder zynisch.****

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