Wehsely: Kein Stalking-Gesetz im Ministerrat - Opfer warten

Neue Studie aus Deutschland zeigt gravierende Folgen von Stalking auf

Wien (OTS) - "Die Regierung hat die Beschlussfassung des Anti-Stalking-Gesetzes offenbar auf den St. Nimmerleinstag verschoben", stellte Wiens Frauenstadträtin Sonja Wehsely am Donnerstag angesichts des neuerlichen Fehlens dieser Materie auf der Tagesordnung des Ministerrates fest. Die Gleichgültigkeit dieser Regierung gegenüber allen Frauenanliegen sei empörend. Justizministerin Gastinger habe im Vorjahr vollmundig versprochen, dass per 1. Jänner 2006 ein wirksames Gesetz zum Schutz der zumeist weiblichen Stalking-Opfer in Kraft treten werde. "Bis heute schlummert der zahnlose Entwurf in den Schubladen der Regierung", kritisiert die Wiener Frauenstadträtin gegenüber der "rathauskorrespondenz".

"Tausende Opfer warten auf Hilfe", so Wehsely. Beim 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien sei die Zahl der Hilfe suchenden Stalking-Opfer im letzten Jahr um 50 Prozent gestiegen. Wehsely verweist in diesem Zusammenhang auf die alarmierenden Ergebnisse einer neuen deutschen Studie des "Weissen Rings": Zwei Drittel der Stalking-Opfer leiden sehr lange unter Schlafstörungen und Alpträumen. 92 Prozent berichteten über Angst bis hin zu panikartigen Zuständen. Nahezu jedes vierte Opfer in Deutschland (23 %) war wegen der obsessiven Verfolgung und Belästigung krank geschrieben. Die Folgen sind auch aus wirtschaftlicher Perspektive immens: die Fehlzeit der Opfer betrug laut Studie im Durchschnitt 61 Tage. 39 Prozent der Betroffenen gaben an, körperliche Angriffe seitens des Stalkers erfahren zu haben. Jedes fünfte befragte Opfer berichtete über schwerere Formen von Gewalt durch Schläge mit der Faust oder durch Angriffe mit Waffen.

"Diese Zahlen unterstreichen, wie dringend notwendig ein Gesetz wäre, das die Polizei ermächtigt, gegen lästige Verfolger vorzugehen", so Wehsely. Die Wiener Frauenstadträtin hofft vor allem auf die späte Einsicht von Innenministerin Prokop: "Mit den zuletzt von ihr vorgeschlagenen Gerichtsvollziehern wird den Opfern nicht zu helfen sein. Hier ist die Exekutive gefordert - denn Stalking ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Form der Gewalt, die im schlimmsten Fall das Leben kostet." (Schluss) lac

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