Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Unworte und Un-Haltungen (von Brigitte Burger)

Ausgabe 25. Jänner 2006

Klagenfurt (OTS) - "Entlassungsproduktivität" ist das deutsche "Unwort des Jahres". Von der Menschenverachtung her, die dieser Begriff impliziert, kann das österreichische "Unwort 2005", die "Negativzuwanderung", durchaus mithalten. Und auch das "Kaputtsparen", das ebenfalls in die engere Auswahl kam.

Beispiele für das, was unter Entlassungsproduktivität gemeint ist, nämlich die Steigerung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens durch Personalabbau, haben wir täglich mehrfach vor Augen, man denke nur an die jüngsten Beispiele Ford, AEG, Agrana, DaimlerChrysler. Tausende Arbeitsplätze werden wegrationalisiert Tag für Tag. Fazit:
Das Unternehmen kann eine höhere Produktivität pro Mitarbeiter ausweisen, viele haben dafür keinen Job mehr, für jene, die ihren Job behalten durften, heißt das schlicht und einfach mehr "hakeln". Wie weit ist das fortsetzbar, in einer Zeit, wo schon so viele am Limit sind?

Dass diese und weitere menschenverachtende Haltungen im Wirtschaftsprozess einmal im Jahr einen Tag lang als "Unwort" am Pranger stehen, ist bedauerlicherweise ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn täglich Manager dafür beklatscht werden, durch "lean management" Mitarbeiter "freigesetzt" und das Unternehmen "abgeschlankt" zu haben.

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