Gusenbauer zu Kreisky-Preis: "Rathkolb lässt uns die Widersprüche Österreichs verstehen"

Kreisky Preis für das politische Buch 2005 an Oliver Rathkolb für "Die paradoxe Republik"

Wien (SK) - "Rathkolb zeigt schonungslos und meisterhaft präzise auf, warum Österreich so ist, wie es ist und erläutert die Erfolgsgeschichte Österreichs inklusive ihrer Paradoxien", so SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer Montag abend bei der Verleihung des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch 2005 an den Zeithistoriker Oliver Rathkolb für "Die paradoxe Republik -Österreich von 1945 bis 2005". In seiner Rede zeigte Gusenbauer aktuelle paradoxe Geschehnisse in der Politik auf, betonte aber auch die Notwendigkeit eines neuen politischen Kurses. Der zweite Hauptpreis geht an Jürgen Habermas für sein literarisches und publizistisches Gesamtwerk. Auch Annerkennungspreise wurden vergeben. ****

Eine Bundesregierung, die zwischen "heiterem Ortstafelrücken und offenem Verfassungsbruch" hin und her wanke und wo sich "einer der Verursacher dieser Streitigkeit mit Jesus Christus vergleicht", zeige durchaus eine der von Rathkolb angesprochenen Paradoxien, so Gusenbauer. Der SPÖ-Vorsitzende verwies auch auf andere aktuelle politische Themen wie Klimt-Bilder, Saliera oder die Visa-Affäre; es sei in dieser Situation "verständlich", dass ein Gutteil der Menschen in Österreich mit gewisser Wehmut an Bruno Kreisky zurückdenke. "Es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen dem, was einmal Regierungspolitik war, um dem, und was die Regierung heute macht. Diese Diskrepanz ist so groß, dass manchmal der Eindruck entsteht, das kann doch nicht dasselbe Land sein", führte der SPÖ-Vorsitzende aus. Rathkolbs Buch zeige aber schonungslos und meisterhaft präzise auf, dass es eben doch dasselbe Land sei und warum Österreich so ist, wie es ist.

EU-Abgeordneter Hannes Swoboda, Vorsitzender der Kreisky-Preis-Jury, verwies auf die anderen ausgezeichneten Werke. Anerkenungspreise erhielten: Michael Amon für das Buch "Kollateralschäden", Nikolaus Dimmel und Josef Schmee für "Politische Kultur in Österreich 2000-2005", BEIGEWURM - Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen für das Buch "Mythen der Ökonomie - Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen", Helmut Kramer und Vedran Dzihic für "Die Kosovo-Bilanz. Scheitert die internationale Gemeinschaft?" und Hamid Sadr für das Buch "Der Gedächtnissekretär". Den Sonderpreis für verlegerische Leistungen des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich erhält der Drava Verlag. Gemeinsam sei diesen Werken, dass sie sich kritisch mit dem, was als orthodoxe Wahrheit gilt, auseinandersetzen und diese angeblichen Wahrheiten hinterfragen.

Preisträger Oliver Rathkolb ging in seiner Rede vor allem auf das Thema Patriotismus ein. Für die europäische Union und Europa im Ganzen sei es nötig, ebenfalls eine solche Identität zu schaffen, "aber es fehlen die Geschichten, die permanent wiederholt werden können, um Patriotismus zu erzeugen". "Inwieweit es gelingen wird, das Erfolgsmodell 'Zweite Republik' weiter zu führen, hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, einen positiven Europa-Patriotismus zu schaffen", so Rathkolb. Es sei aber klar, dass dafür auch eine grundlegende Veränderung der Bildungsinhalte notwendig sei. "So lange die Inhalte des Bildungssystems so nationalstaatlich geprägt sind, wird diese neue Identität nicht Fuß fassen können", so der Zeithistoriker. (Schluss) js/ah

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