Unerfüllte Ansprüche

VON M. GEISTLER-QUENDLER

Klagenfurt (OTS) - Immer öfter erreichen uns in letzter Zeit die Storys von Frauen in Spitzenpositionen, die Kinder erwarten. Ob es sich um Journalistinnen, weibliche Wirtschaftsbosse, eine Grüne Abgeordnete oder zuletzt um Österreichs Justizministerin handelt -sie alle prägen das Bild der schwangeren Karrierefrau.
Die so verkörperte Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirkt sich höchst ambivalent aus: Zum einen führt dieses Szenario Frauen vor, die öffentlich in großer Selbstverständlichkeit den Anspruch auf ein Leben mit mehr als einer Facette, nämlich jener der Mutter, stellen. In genau diesem Anspruch äußert sich der Vorbildcharakter dieser neuen Frauenbilder. Zugleich verstellen sie jedoch den Blick auf den ungeheuren Spagat, den die Mehrheit der weniger privilegierten berufstätigen Frauen in Österreich zu meistern hat.
Die rückläufige Geburtenrate beweist, wie unüberwindlich die Barrieren für berufstätige Mütter noch erscheinen und zum Teil auch sind. Zwischen dem Alltag der medial transportierten Vorbilder und jenem eines Großteils der Frauen tut sich eine enorme Kluft auf. Zu viele Rahmenbedingungen fehlen noch, damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich nicht nur zur Selbstverständlichkeit erklärt, sondern auch als solche empfunden werden kann.

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