Prammer: Frauen von Armut besonders betroffen

Fenninger: Sozialstaat ist leistbar - das Geld fließt nur nicht dorthin, wo wir es brauchen

Wien (SK) - "Es ist für alle spürbar in Österreich, dass nicht die gesamte Bevölkerung vom Wohlstand - den es nach wie vor in Österreich gibt - profitiert", betonte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende und Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer am Donnerstag im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Einkommenskluft wächst -Armutsrisiko steigt". Besonders betroffen von Armut seien Frauen, denn sie hätten von der Steuerreform dieser Bundesregierung "nichts gehabt". Als besonders dramatisch beschrieb Prammer die Situation einer weiblichen Arbeiterin - mit einem Medianeinkommen von nur 7.257 Euro im Jahr sind sie für Prammer "die Heldinnen der Zeit". Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, kritisierte, dass sich "die Gesellschaft sehr zum Negativen verändert, die Kluft wird größer denn Armut und Reichtum nehmen zu - in Österreich und in Europa". Diese Entwicklung "fällt nicht vom Himmel, sondern wird von Mächtigen gemacht". Die Menschen in Europa seien verunsichert und frustriert und Fenninger glaubt nicht, "dass man sich den Sozialstaat nicht mehr leisten und finanzieren kann: es gibt Geld, nur fließt es nicht dorthin, wo wir es brauchen". Denn die Leute, die seit dem Jahr 2000 an der Macht seien, würden ein anderes Klientel vertreten. ****

Prammer: Oberstes Einkommensfünftel bezieht 46 Prozent aller Bruttogehälter

In Österreich beziehe das obere Einkommensfünftel 46 Prozent aller Bruttogehälter, das unterste Einkommensfünftel jedoch nur 2,3 Prozent, erklärte Prammer. Die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende wies auf die besorgniserregende Situation der Frauen hin: Das Medianeinkommen eines männlichen Angestellter habe im Jahr 2003 21.264 Euro betragen (im Jahr 2000 waren es noch um fast 4 Prozent mehr), das Medianeinkommen eines männlichen Arbeiters liege bei 14.546 Euro. Hier sei schon "eine unglaubliche Kluft" sichtbar, so Prammer. Das Medianeinkommen einer weiblichen Angestellten betrage jedoch nur 13.233 Euro, kritisierte die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende. Am dramatischsten sei die Situation bei den weiblichen Arbeiterinnen, hier sei das Medianeinkommen von 7941 Euro im Jahr 2000 auf nur 7257 Euro im Jahr 2003 gesunken - "wenn man dieses Einkommen auf Monate umlegt, weiß man, wer die Heldinnen der Zeit sind". Ein weiteres Problem liege in der steigenden Zahl an Frauen, die Teilzeit beschäftigt sind oder sich in prekären, atypischen Beschäftigungsverhältnissen befinden.

Prammer betonte weiters, dass sich viele Dinge von selbst finanzieren würden - "wenn sie nur vernünftig gemacht werden". Man habe berechnet, dass bei der Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen nur zehn Prozent der Ausgaben nicht gedeckt wären. Durch die Schaffung dieser Einrichtungen würden sich mehr Menschen in Beschäftigung befinden, Steuern und Sozialversicherung zahlen. Zusätzlich schaffe man dadurch Arbeitsplätze und spare sich das Arbeitslosengeld. "Kinderbetreuungseinrichtungen würden sich zu 90 Prozent rechnen - bei der Pflege wäre es ähnlich", bekräftigte Prammer. Der Annahme, dass der Sozialstaat am Ende wäre, "ist entgegenzuwirken und zu widersprechen".

Prammer: Neugestaltung des Steuersystems nötig

Als Maßnahmen gegen die wachsende Armut und Kluft in Österreich nannte Prammer eine Neugestaltung des Steuersystems. Wie auch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Budget- und Finanzsprecher Christoph Matznetter dargestellt, müsse die Steuerreform in der jetzigen Form revidiert werden. Die Negativsteuer sei ein wichtiger Punkt, eine Verdoppelung von 110 auf 220 Euro würde "eine unglaubliche Entlastung bringen und wäre maßgeblich für die Existenzsicherung", erklärte Prammer.

Fenninger: "Armut macht krank"

"In Österreich sind eine Million Menschen armutsgefährdet - dies sind Menschen, die unter Not leiden und einen Namen, ein Gesicht, eine Familie haben", betonte Fenninger. Die Auswirkungen der Armut seien dramatisch, denn "Armut macht krank" - Menschen, die arm sind, würden mehr als Manager an den so genannten Managerkrankheiten leiden, "denn sie stehen unter einem enormen Stress", erläuterte der Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe. "Wer Armut produziert, verkürzt das Leben der Menschen - ein Mensch, der in Armut lebt, lebt um sieben Jahre kürzer als jemand, der in Wohlstand lebt", betonte Fenninger weiter. Auch die Pflegebedürftigkeit würde durch die Armut steigen, es sei erwiesen, dass arme Menschen 2,8 Jahre länger auf Pflege angewiesen seien.

Abschließend wünscht sich Fenninger, dass in der Politik "reden und handeln wieder mehr zusammenpasst" und "den Mut, dass man sich gegen derzeitige Entwicklungen setzt und eine andere Politik macht". (Schluss)sf

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