WirtschaftsBlatt Kommentar vom 19.1.2006: Siemens sollte ein Herz für die Steirer haben - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Ein Verkäufer, der im Grunde genommen gar nicht verkaufen will, eine Region, die um ihre Zukunft zittert, mehrere grosse Fragezeichen und beträchtliche Risken für alle Beteiligten, und einige ungeduldige Kaufinteressenten, die allmählich wieder die Lust an der Sache verlieren. Eine der spannendsten und kompliziertesten Transaktionen, die Österreich je gesehen hat, geht allmählich ins Finale: Am 13. März muss der von der EU verordnete Verkauf der VA Tech Hydro endgültig unter Dach und Fach sein.
Der Verkäufer Siemens, der sich auf Grund von Auflagen aus Brüssel einen künftigen Konkurrenten einhandelt, ist jedenfalls nicht zu beneiden: Die Entscheidung, welcher Bieter das Rennen macht, ist aus vielerlei Gründen enorm kompliziert und vielschichtig. In der Endauswahl sind, nach allem, was indiskreterweise an die Öffentlichkeit gelangte, zwei ausländische und zwei österreichische Gruppen. Zweifellos ehrt es die Republik, wenn sich zum einen der indische Mischkonzern Tata Group (18 Milliarden Dollar Umsatz, 215.000 Beschäftigte) für das VA Tech Hydro-Werk in Weiz interessiert. Und es ist gewiss ein Kompliment, dass sich auch der argentinische Impsa-Konzern, der dem Pescarmona-Clan gehört, in Österreich umschaut, wo er doch bislang mit Europa so gut wie nichts am Hut hatte. Die Impsa, einer der weltweit grössten Zulieferer für Wasser- und Windkraft-Energie-Projekte, hat sich dem Vernehmen nach mit der kanadischen SNC-Lavalin zusammengetan, einem der führenden internationalen Ingenieurs- und Bauunternehmen.
Während den Indern schon gewisse Ermüdungs-erscheinungen nachgesagt werden, beweisen die österreichischen Anbieter noch eiserne Kondition: Zum einen ist die Andritz-Gruppe dabei, mit der Kraftwerksdivision von Mitsubishi und etlichen Fragezeichen, betreffend Strategie, im Schlepptau. Und als Vierter im Bunde hat das vergleichsweise kleine Cross-Konsortium, gebildet aus KTM-Boss Stefan Pierer, der UIAG und Porr, ein verbindliches Offert abgegeben -offenbar dürfte es auch das beste Konzept für das Weizer Werk vorgelegt haben.
Der deutsche Siemens-Konzern, der schon immer eine starke Affinität zu Österreich hatte, sollte letztendlich - auch wenn die Ausländer mehr bieten - cool bleiben und jenen Anbieter zum Zug kommen lassen, der die zukunftsträchtigsten Pläne vorlegt - sprich: das Werk Weiz am Leben hält und dort möglichst viele Arbeitsplätze sichert. Und das werden wohl allemal die Österreicher sein.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001