Ärzteproteste in Berlin: österreichische Ärzte mit deutschen solidarisch

Brettenthaler: "Ärztliche Arbeitsbedingungen auch hierzulande immer schlechter" - Finanzierungsprobleme im Gesundheitssystem müssen gelöst werden

Wien (OTS) - Anlässlich des heute in Deutschland stattfindenden Protesttags der Ärzte hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, seine Solidarität mit den demonstrierenden Medizinern ausgedrückt. Von einem "verständlichen Alarmsignal" sprach Brettenthaler in einer Aussendung angesichts der geplanten Praxisschließungen und Demonstrationen. An der Lage des Nachbarlands, in dem mittlerweile Tausende von Ärzten fehlten und die finanzielle Basis vieler Ordinationen gefährdet sei, sei anschaulich zu beobachten, "in welche Schieflage ein Gesundheitssystem geraten kann, wenn das Sparen zum obersten Prinzip wird", so der österreichische Ärztepräsident. Brettenthaler: "Es ist logisch, dass die Ärzte da die Notbremse ziehen."

Zwar sei die Lage der Mediziner in Österreich noch nicht ganz so zugespitzt, "aber die Probleme sind prinzipiell die gleichen:
überbordende Bürokratie und Dokumentation, immer stärkerer ökonomischer Druck und auf die Ärzteschaft überwälzte Rationierungs-und Rechtfertigungszwänge. Gerade die Bürokratie ist unerträglich. Der Unmut bei den Kollegen steigt ständig, unter anderem auch, weil gleichzeitig nicht-ärztliche Gesundheitsberufe eher liberalisiert und de-reguliert werden", konstatiert Brettenthaler.

Er ortet angesichts der chronischen Unterfinanzierung des Gesundheitssystems "auch in Österreich eine besorgniserregende Tendenz, den Ökonomen den Vorrang einzuräumen und die Arbeitsbedingungen der Ärzte immer weiter zu verschlechtern und zwar sowohl im Spital als auch in den Ordinationen". Im Kassenbereich seien ambulante Leistungen etwa längst nicht mehr kostendeckend finanziert. "Da haben wir schon lange Sozialtarife", so Brettenthaler. In den Spitälern dagegen seien Brüche des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes trotz des Aufschreis der Ärzte nach wie vor an der Tagesordnung.

Zwar trage die Ärzteschaft viele Reformen im Gesundheitsbereich grundsätzlich mit. "Angesichts des immer stärkeren Drucks ist aber auch die Stimmung bei uns schon am umkippen", so Brettenthaler. Zwingend notwendig sei daher an erster Stelle eine Behebung der finanziellen Schieflage des Gesundheitssystems. "Und da wird man auf Dauer um die Frage zusätzlicher Mittel nicht herumkommen", so Brettenthaler abschließend.

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