Arbeitsunfälle: Prävention verstärken, Arbeitsdruck senken!

GBH-Driemer: Jeder Arbeitsunfall ist einer zu viel

Wien (GBH/ÖGB) - "Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle ist 2004 um fast ein Drittel gestiegen, die Zahl aller Arbeitsunfälle ist praktisch gleich geblieben. Gerade der Baubereich ist wieder besonders betroffen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass immer noch zu wenig Maßnahmen in der Unfallverhütung gesetzt werden", bekräftigt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) und ÖGB-Vizepräsident Johann Driemer angesichts der Daten im Arbeitsinspektionsbericht 2004.++++

Driemer weiter: "Die AUVA leistet ausgezeichnete Präventionsarbeit. Gemeinsam mit der AUVA konnte die GBH in den vergangenen Jahren zahlreiche Sicherheits- und Gesundheitsschutzprojekte auf Baustellen durchführen und die Europäischen Wochen für Sicherheit und Gesundheitsschutz mitgestalten. So wurden z.B. an jugendliche Bauarbeiter Schutzbrillen und Helme verteilt und Schulungen abgehalten, die Projekte "baufit" und "I bau auf mi" sind äußerst erfolgreich, und mit einer Gehörschutzaktion, in der Bauarbeiter mit individuell angepasstem Gehörschutz ausgerüstet wurden, haben wir Pionierarbeit geleistet. Mit der großen GBH-Gesundheitsstudie `Muss Arbeit die Gesundheit kosten´ haben wir schließlich aufgezeigt, wo die größten Probleme liegen. Die Bundesregierungen haben und versuchen immer wieder, die Mittel der AUVA für Präventionstätigkeit zu kürzen. Angesichts dieser Arbeitsunfallzahlen muss die Politik allerdings genau das Gegenteil tun: In der Gesundheitspolitik endlich ein Hauptaugenmerk auf die Prävention legen!"

Die Baubranche ist eine der gefährlichsten. Hier passierten leider auch die meisten tödlichen Arbeitsunfälle. Driemer: "Gründe dafür sind die schwere Arbeit, das Heben schwerer Lasten, gefährliche Arbeitsplätze, Maschinen und Arbeitsmittel. Nicht zuletzt ist an der gestiegenen Unfallhäufigkeit aber auch der enorme Zeitdruck Schuld, unter dem die Bauarbeiter tätig sind. Ich appelliere an die Auftraggeber und die Baufirmen, Bauzeiten zu vereinbaren, die auch realistisch einhaltbar sind. Es darf nicht sein, dass für die Planung eines Bauwerkes Jahre vergehen und das Bauwerk dann in wenigen Monaten fertig sein muss. In solchen Situationen, unter enormem Stress, wird dann auf die Sicherung von Gefahrenstellen vergessen und die Unfallgefahr wird immer größer. Auch die ausufernden Subvergaben sind ein Faktor für die zunehmende Unfallhäufigkeit: Immer wieder werden in Subfirmen Arbeitnehmer beschäftigt, die keine Ausbildung oder Erfahrung am Bau haben. Sie erkennen Gefahrensituationen schlechter und gefährden dadurch sich und andere."

Driemer abschließend: "Ich fordere die Bundesregierung und hier besonders die verantwortliche Gesundheitsministerin auf, die Gesundheitspolitik auf eine nachhaltige, berufsbegleitende Gesundheitsvorsorge inhaltlich und finanziell auszurichten und die zuständigen Sozialversicherungsträger und die Sozialpartner einzubinden. Dazu gehört auch, eine Schwerarbeitsregelung zu schaffen, die den SchwerarbeiterInnen auch wirklich nutzt. Denn es ist kaum möglich, einen so belastenden Beruf wie den des Bauarbeiters ein ganzes Berufsleben lang auszuüben. Deshalb fordern wir für jene Menschen, die diesen belastenden Beruf nicht mehr ausüben können, auch einen Rechtsanspruch auf Umschulung in andere Berufe. Sicherheitsschulungen müssen verstärkt werden. Ich fordere auch die Verantwortlichen auf, der AUVA die Mittel zur Verfügung zu stellen und nicht für zweckfremde Aufgaben wie z.B. die Entgeltfortzahlung zu verwenden, um die Präventionstätigkeit noch zu verstärken. Denn jeder Arbeitsunfall ist einer zu viel. An jedem hängt das Schicksal einer Familie. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass die Arbeitsunfallzahlen 2006 wieder ein deutliches Minus ausweisen."

ÖGB, 18. Jänner
2006
Nr. 22

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