Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Pflanz und Kärntner Tanz

In Sparzeiten ist es logisch, dass Österreich nicht tief in die Tasche greifen will, um die durch einen Schiedsspruch verlorenen Klimt-Bilder zurückzukaufen. Aber auch in Sparzeiten sind Investitionen notwendig, die in Zukunft eine kräftige Rendite versprechen. Und diese ist Wien mit dem Slogan "Die Stadt Klimts und Schieles" sicher - auch wenn Vorarlberg und Kärnten nichts davon haben.
Bedenkt man, was die Stadt Wien so alles mit großzügiger Geste an angeblich kulturellen Unsinnigkeiten fördert, die mit Garantie nie und nimmer eine Umwegrentabilität haben, bedenkt man, wie kontraproduktiv die vom Bund unterstützten "25 peaces" waren, dann sollte ein Umlenken vorhandener Geldströme jedenfalls ernsthaft diskutiert werden. Ob sie aber auch nur für ein Bild reichen?

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Es war eine (noch dazu gefährliche) Pflanzerei, als ein radikaler Slowenenführer - auf Rat des Nationalratspräsidenten - durch Schnellfahren die Kärntner Ortstafelfrage vor das Verfassungsgericht gebracht hat. Es ist eine noch größere Pflanzerei, wenn nun ein Landeshauptmann durch Versetzen einer Ortstafel die Rechtslage zu ändern versucht. Es ist schmerzhaft, wie hilflos dem die Bundesregierung gegenübersteht. Es ist lächerlich, wenn sich die SPÖ über die Untätigkeit der Regierung aufregt, die Kärntner SPÖ aber zugleich ein Moratorium, also ein Nichtstun verlangt. Es ist hochmütig, wie sehr der Rest Österreichs auf die Kärntner herabblickt, ohne deren Trauma zweier Eroberungsversuche durch ein Nachbarland zu begreifen. Es war ein Versäumnis, dass Österreich nach dem Zusammenbruch des Ostens den Staatsvertrag nicht elegant durch einen autonom entwickelten Minderheitenschutz ersetzt hat (so wie Finnland damals blitzschnell alle Souveränitäts-Einschränkungen entsorgt hat). Es ist verantwortungslos, wie sehr in Kärnten immer wieder mit Ortstafeln vordergründig Stimmung gemacht wird.

Das Schlimmste aber ist, wenn in Österreich Gerichtsurteile nichts mehr gelten. So bricht in einer Zivilisation alles zusammen.

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