ÖGB zu Unternehmensneugründungen: Vielfach unfreiwillig selbstständig

Rolzhauser: Verpflichtende Arbeitslosenversicherung schaffen

Wien (ÖGB) - Der Jubel der Wirtschaftskammer über die Unternehmensneugründungen wird vom ÖGB relativiert. "Aus unserer Beratung für atypisch Beschäftigte wissen wir, dass viele EinzelunternehmerInnen unfreiwillig als Selbstständige arbeiten", kritisiert Elisabeth Rolzhauser, die Leiterin der flexpower-Beratung des ÖGB. Für den von WKÖ-Präsident Christoph Leitl geforderten "Ausbau" der sozialen Sicherheit für Selbstständige tritt auch Rolzhauser ein. Sie fordert die Einführung einer verpflichtenden Arbeitslosenversicherung für Selbstständige.++++

Rund die Hälfte der atypisch Beschäftigten, die in die flexpower-Beratung des ÖGB kommen, haben klassische Umgehungsverträge, schätzt Rolzhauser. Das heißt, obwohl die Beschäftigten klassische ArbeitnehmerInnen-Tätigkeiten ausüben, bietet ihnen das Unternehmen nur einen Werkvertrag an. "Um sich dagegen abzusichern, dass die Beschäftigten nicht im Nachhinein auf die Feststellung eines regulären Dienstverhältnisses klagen, fordern viele Unternehmen neuerdings gar, dass die Betroffenen einen Gewerbeschein lösen müssen", berichtet Rolzhauser. Besonders häufig anzutreffen sei diese Praxis im Erwachsenenbildungsbereich. Rolzhauser: "Auch in einigen Einrichtungen der WKÖ ist es gängige Praxis, dass ErwachsenenbildnerInnen nur beschäftigt werden, wenn sie einen Gewerbeschein vorweisen können."

Eines der größten Problemfelder für (Neue) Selbstständige und freie DienstnehmerInnen sei die fehlende Absicherung im Fall der Arbeitslosigkeit. "Seit Jahren wird über den Einbezug in die Arbeitslosenversicherung diskutiert, eine Regelung dazu gibt es aber bisher nicht", kritisiert Rolzhauser. Sie fordert den zuständigen Arbeitsminister Martin Bartenstein auf, für den verpflichtenden Einbezug der beiden Beschäftigtengruppen in die Arbeitslosenversicherung zu sorgen. Ausständig ist auch die finanzielle Absicherung im Krankheitsfall, so Rolzhauser: Eine Geldleistung bei Krankheit gibt es für freie DienstnehmerInnen und (Neue) Selbstständige bislang nicht. (mf)

ÖGB, 17. Jänner
2006
Nr. 21

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