"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Marschieren statt streiken" (Von Kurt Horwitz9

Ausgabe vom 17.01.2006

Wien (OTS) - Man mag darüber diskutieren, ob der Börsegang der Post zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sinnvoll ist. Der Privatisierungserlös dient ja nur dazu, die Staatsfinanzen aufzubessern. Die Post selbst hat nichts davon.
Grund für einen Arbeitskonflikt gibt die Teilprivatisierung aber nicht. Nirgendwo in der Wirtschaft können die Mitarbeiter bestimmen, wem ihr Unternehmen gehört oder an wen es verkauft wird. Im Gegensatz zu "Normalsterblichen" genießen die meisten Postler aber Kündigungsschutz, brauchen also nicht fürchten, ihren Job zu verlieren.
Dem Wettbewerb ist die Post auf jeden Fall ausgesetzt: Das Monopol ist teilweise schon gefallen, der bei der Briefzustellung noch existierende Schutz vor Konkurrenz wird längstens in fünf Jahre Geschichte sein.
Viele Postler haben das schon begriffen und bemühen sich um Freundlichkeit und Kundennähe. Die anderen hätten in einem modernen Dienstleistungsbetrieb nichts zu suchen, müssen aber dank Kündigungsschutz trotzdem mitgeschleppt werden. Mit den Eigentumsverhältnissen hat das aber nichts zu tun.
Gegen einen Streik der ohnehin privilegierten Postler spricht auch, dass er in der Bevölkerung alles andere als populär wäre. Zudem sind die Gewerkschaftskassen ziemlich leer. So verlockend ein Streikbeschluss für die sozialistischen Gewerkschafter in einem Wahljahr auch sein mag: Es ist eine Sache der Vernunft, darauf zu verzichten und sich mit einem Protestmarsch zu begnügen.

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