WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17.1.2006: Ein Einstieg der Bawag bei der Post macht Sinn - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - In Deutschland ist es ja gerade umgekehrt gelaufen:
Dort hat man der Post, ehe man sie an die Börse schickte, die Postbank als Mitgift auf den Weg gegeben. Mit dieser Cash Cow im Rucksack (die mittlerweile ebenfalls an die Börse gebracht wurde) tat sich die deutsche Post ein bisschen leichter, ihr angestrebtes Ziel zu erreichen, innerhalb weniger Jahre zum grössten Logistik-Konzern der Welt zu werden.
In Österreich wird Privatisierungspolitik offenbar nicht primär von Überlegungen geleitet, was für das zu privatisierende Unternehmen das Beste ist. Hier geht es vor allem um politische und ideologische Prioritäten: Wenn sich einmal ein Fenster für Privatisierungen auftut, dann werden diese durchgezogen, egal, ob sie für das Unternehmen (und die Volkswirtschaft) gut sind.
Und solche Fenster tun sich am ehesten auf, wenn im Staatssäckel Ebbe herrscht - man erinnere sich an die Verschleuderung der Austria Tabak oder den nicht wirklich optimal getimten Börsegang der Telekom.
Die PSK wurde daher schon lange vor konkreten Privatisierungsüberlegungen für die Post aus deren Einflussbereich abgezogen und an den Meistbietenden verscherbelt. Das war damals die Bawag, die sich damit in einem Umfeld, das von Ostfantasien schwärmt, als grösste Bank des Landes profilieren konnte, die mit beiden Beinen fest im Inland steht.
Jetzt gibt es Gerüchte, dass die Bawag bei der kommenden Post-Privatisierung einen grösseren Happen an dem zum Verkauf anstehenden Kuchen erwerben will. Ob diese Gerüchte eine reale Grundlage haben, ist derzeit nicht abzuschätzen - unplausibel sind sie nicht: Die Post-Filialen sind als PSK-Outlets ein wichtiges Asset für die flächendeckende Versorgung Österreichs mit Bawag-PSK-Dienstleistungen. Da macht es schon Sinn, sich einen Einfluss auf die künftige Politik der Post zu sichern - ganz ähnlich hält es auch die Republik, der eine annähernd flächendeckende Versorgung mit Post-Dienstleistungen ebenfalls ein gewisses Anliegen sein sollte.
Die Aussicht auf künftige brüllende Post-Gewinne dürfte es jedenfalls nicht sein, die dafür ausschlaggebend sind, dort einen Fuss in der Tür zu behalten - für die Bawag nicht und für den Staat schon gar nicht: Ein Gutteil der geglückten Postsanierung wurde und wird ja mit Steuergeld finanziert - wobei der rasche Abbau kündigungsgeschützter Postler nur durch deren Frühpensionierung gelang. Und ihre Pensionen zahlt die Republik.

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