AUGE: "Van der Bellens Kurs bei Postprivatisierung nicht nachvollziehbar!"

Scharfe Kritik an "Selbstbediener"-Polemik Van der Bellens

Wien (OTS) - Auf wenig Verständnis stoßen bei den Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen (AUGE/UG) die Aussagen Van der Bellens, dass eine Vollprivatisierung der Post prinzipiell vorstellbar wäre. "Diese Meinung ist für uns nicht nachvollziehbar. Insbesondere unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Postdienstleistungen wirkt eine Privatisierung derartiger Infrastrukturunternehmen absolut kontraproduktiv. Das gesteht ja selbst Van der Bellen ein, wenn er meint, der allgemeine Versorgungsauftrag sei mit einem öffentlichen Eigentümer leichter sicherzustellen," kommentiert Markus Koza, Bundessekretär der Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen und Mitglied des ÖGB-Bundesvorstandes Van der Bellens Aussagen im Rahmen eines APA-Interviews. "Wenn bereits jetzt schon hunderte Postämter geschlossen und tausende MitarbeiterInnen abgebaut worden sind, kann sich jeder ausmalen, was wohl passieren würde, wenn ein Unternehmen wie die Post voll privatisiert ist. Da würde von einem allgemeinen Versorgungsauftrag, der diesen Namen noch verdient, wohl nicht mehr viel übrig bleiben."

Starke Auswirkungen würde eine Privatisierung auch auf die Beschäftigten haben: "In jenen Betrieben, die bereits jetzt in Konkurrenz zur Post stehen, boomen atypische Beschäftigungsverhältnisse ohne ausreichende soziale und arbeitsrechtliche Absicherung. Mit weiteren Liberalisierungschritten wird diese Tendenz noch verschärft und wohl auch Auswirkungen auf die ohnehin nicht besonders rosigen Beschäftigungsverhältnisse bei der Post haben. Es kann wohl nicht Ziel Grüner Politik sein, das künftig weitgehend rechtlose 'Ein-Mann-Unternehmen' den Postzustelldienst übernehmen," kritisiert Koza weiter.

Scharfe Kritik übt Koza auch an Van der Bellens Vorwurf, die Gewerkschaften würden die Post als "Selbstbedienungsladen" bezeichnen. "Eine derartige Polemik gegenüber Gewerkschaften ist man bislang eigentlich nur aus dem Regierungslager gewohnt. Es gibt wirklich genug Kritikpunkte an den Gewerkschaften - gerade auch an der Postgewerkschaft - die vielfach ein sehr autoritäres Politikverständnis an den Tag legt, gerade auch gegenüber innergewerkschaftlichen oppositionellen Gruppen. Wir haben das oft genug in Wahlkämpfen erlebt. Van der Bellens Polemik hat mit gerechtfertigter Kritik jedoch wenig zu tun. Das ist unreflektiertes 'Gewerkschaftsbashing'. Es ist die Aufgabe von Gewerkschaften die Interessen ihrer Mitglieder und der Beschäftigten bestmöglich zu vertreten und zu organsieren. Und die Sorgen der Postgewerkschaft sind voll berechtigt und ernst zu nehmen. Auch Van der Bellen ist aufgerufen sich intensiver mit den Sorgen und Problemlagen der Beschäftigten auseinanderzusetzen, statt sich in 'Was-wäre-wenn-Privatisierungsvorlesungen' zu verlieren. Das darf man sich vom Sprecher einer sich fortschrittlich verstehenden Partei erwarten," schließt Koza.

Rückfragen & Kontakt:

AUGE/UG
Mag. Markus Koza
Tel.: 01/505 19 52

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AGG0001