WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.1.2005: Die AUA sollte nicht auf die Lufthansa fliegen - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Vizekanzler Hubert Gorbach möchte, ehe er, wie’s derzeit aussieht, im Herbst selbst in die Privatwirtschaft wechselt, auch noch rasch die Austrian Airlines entstaatlichen. Es geht ihm primär darum, den ÖIAG-Anteil von 39,7 Prozent ganz oder teilweise zu verkaufen. Im Grunde genommen gibt’s dagegen nichts einzuwenden, denn die angeschlagene Airline braucht dringend eine neue Aktionärsstruktur. Ohne einen starken Partner wird sie wohl kaum überleben.
Bleibt bloss zu hoffen, dass die von Gorbach vorgeschlagene Prozedur nicht genauso chaotisch abläuft wie bei der Post AG. Dort fuhr die Regierung bekanntlich einen endlosen Zickzack-Kurs, ehe sie vor wenigen Tagen Farbe bekannte und sich zu einer endgültigen Entscheidung durchrang.
Im Falle der AUA, deren Aktien sich zu 43,5 Prozent im Streubesitz befinden, wird es auch nicht gerade einfach werden: Die Regierung sollte - sofern sie sich überhaupt zu einem einhelligen Beschluss durchringt - das Unternehmen um Himmels Willen nicht rasant an irgendeinen Bestbieter verschleudern. Das würde nur dem Finanzminister nutzen. Es wäre vielmehr erforderlich, eine möglichst kreative - sprich: zukunftsorientierte - Lösung zu finden, bei der Österreich letztlich die Kontrolle behielte und dennoch neue Perspektiven zum Tragen kämen. Das heisst: eine rotweissrote Kernaktionärsstruktur und zugleich die Beteiligung einer starken ausländischen Fluglinie.
Wenn man annehmen darf, dass einschlägige Exoten chancenlos sein werden, bleiben im Grunde genommen drei interessante Optionen übrig:
die vielerorts favorisierte Lufthansa, ein Star Alliance-Partner, dessen glühendster Fan Noch-AUA-Boss Vagn Sørensen ist; weiters die Air France, die schon jetzt 1,5 Prozent der AUA-Aktien hält; schliesslich käme der Riese British Airways als Dritter im Bunde in Betracht.
Die alles entscheidende Frage - neben dem lieben Geld - wird sein, in welches strategische Konzept der potenziellen Partner die AUA künftig am besten passen würde. Dabei ist davon auszugehen, dass sie mit ihrer Positionierung als Netz-Carrier mit Schwerpunkt Transfer und Expansionsgelüsten in den Osten vermutlich bei der Lufthansa die geringsten Chancen hätte, in eine rosarote Zukunft zu fliegen. Die Deutschen werden wahrscheinlich ihre sehr ähnlichen Ostambitionen selbst zügig umsetzen - ein Faktum, das die neue AUA-Führung, die letztlich eine Entscheidung herbeiführen muss, unbedingt berücksichtigen sollte.

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