"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Mullahs provozieren - das darf nicht ungestraft bleiben" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 13.01.2006

Graz (OTS) - Die letzten Zweifel sind verflogen. Die iranische Führung ist wild entschlossen, die Atomforschung voranzutreiben - und das mit einem klaren Ziel vor Augen: Atomwaffen! Mit der Hilfe Nordkoreas rüsten die Mullahs ihre Streitkräfte mit Raketen aus. Mit Russlands Hilfe bauen sie Reaktoren, in denen waffenfähiges Plutonium hergestellt werden kann. Mit der Hilfe Pakistans haben sie gelernt, Atombomben zu konstruieren.

Es ist daher nur noch eine Frage der Zeit, bis der islamische Gottesstaat in den Klub der Atommächte aufsteigt und es ist unerheblich, ob dies - wie von den Israelis prognostiziert - in einem halben Jahr der Fall sein wird, oder - wie die CIA mutmaßt - erst in vier Jahren.

Vergeblich hat sich die EU bemüht, den Iran mit politischen und wirtschaftlichen Zuckerbrot-Angeboten zu nuklearem Wohlverhalten zu bewegen. Ebenso vergeblich drohten die Amerikaner den Mullahs mit der Peitsche. Wirkung zeigte weder das eine noch das andere, vor allem wohl, weil der Iran das Beispiel Nordkoreas vor Augen hat: Wer erst einmal Atomwaffen besitzt, wird nicht angegriffen, mag ihn George W. Bush auch noch so oft als "Schurkenstaat" definieren.

Auch Drohungen mit einem Militärschlag nimmt man in Teheran nicht ernst. Denn die etwa 80 atomaren Rüstungs- und Forschungsstätten des Iran wurden tief unter die Erde verlegt, nachdem die Israelis 1981 Saddam Husseins Nuklearanlagen im Irak in Schutt und Asche gebombt hatten.

Der einzige "Erfolg" einer Militäraktion gegen den Iran wäre, dass sich die 70 Millionen Iraner mehr denn je um ihr Mullah-Regime scharen. Dennoch: Mit dem Aufbrechen der von der Atomenergiebehörde IAEO angebrachten Siegel an ihren Atomforschungs-Anlagen hat die iranische Führung einen bewussten Akt der Provokation gesetzt. Der darf nicht ungestraft bleiben.

Aber zu UNO-Sanktionen wird es wohl nicht kommen. China, das seinen ungeheueren Rohstoff-Hunger im Iran stillt, und Russland, das mit großen Industrie-Projekten im Mullah-Staat viel Geld verdient, würden wohl ihr Veto einlegen.

Wenn jemand derzeit etwas tun kann, dann ist es, so absurd dies auch klingen mag, die EU. Denn der Iran braucht wirtschaftliche Kooperation mit dem Westen, um innere Krisen abzuwenden. Nur wenn vernünftige Kräfte im Iran die Gefahr einer ökonomischen Isolation erkennen, gibt es Hoffnung, dass der Druck wächst, den Radikalen Einhalt zu gebieten. Gelingt das nicht, hat die Welt demnächst eine besonders gefährliche Atommacht mehr.****

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