SPÖ-Neujahrskonferenz: Dörfler zu Vereinbarkeit Beruf - Familie - "Außerfamiliäre Kinderbetreuung ausweiten"

Für einkommensabhängige Geldleistungen, die geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede ausgleichen

Wien (SK) - Generell gelte es, die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung anzuheben sowie die "außerfamiliäre Kinderbetreuung auszuweiten", betonte Sonja Dörfler, Mitarbeiterin am Österreichischen Institut für Familienforschung, am Donnerstag bei der SPÖ-Neujahrskonferenz. Dörfler plädierte aber auch für einkommensabhängige Geldleistungen, die geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede ausgleichen und für die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs als Einstieg in die Betreuungsverantwortung. Daneben seien "öffentliche Bewusstseins-Kampagnen mit positiven Motivationsansätzen für Väterbeteiligung mit den Zielgruppen Väter/Eltern und Unternehmen" erforderlich, so Dörfler, die am Institut für Familienforschung vor allem zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeitet. ****

An weiteren Ansätzen zur Verbesserung der Situation in Österreich bezüglich Vereinbarkeit von Beruf und Familie nannte Dörfler die Quotierung der arbeitsrechtlichen Karenz (eigenständiger Anspruch für Väter) und die Einführung eines kostenlosen Beratungsschecks zur Väterbeteiligung im Mutter-Kind-Pass sowie die niedrigere Deckelung einkommensabhängiger Elternbeiträge. Österreich könne hier viel von good-practice-Beispielen in den skandinavischen Ländern lernen.

Frankreich und Schweden als good-practice-Beispiele für außerfamiliäre Kinderbetreuung

Sowohl Frankreich als auch Schweden seien good-practice-Beispiele für außerfamiliale Kinderbetreuung, so Dörfler mit Blick auf Frankreich, wo es die "größte Variationsbreite an staatlich geförderten, privaten und öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten" gibt, während in Schweden ein "vergleichsweise großes Angebot an institutionalisierter Kinderbetreuung für alle Altersgruppen" existiert. In beiden Ländern gebe es zudem einen Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung, die in Frankreich im Rahmen der ecoles maternelles kostenlos ist, während in Schweden durch eine entsprechende Deckelung die Kosten für die Kinderbetreuung sehr niedrig sind - sie belaufen sich maximal auf rund 150 Euro pro Monat, erläuterte Dörfler. In Österreich bestehe in Sachen außerfamiliärer Kinderbetreuung Aufholbedarf, so Dörfler mit Hinweis darauf, dass in Österreich nur zehn Prozent der null- bis zweijährigen Kinder außerfamiliär betreut werden, während der Anteil etwa in Schweden bei 48 Prozent liege. Erst mit zunehmenden Alter nehme die Zahl jener Kinder zu, die außerfamiliär betreut werden: So befänden sich 83 Prozent der vierjährigen Kindern in Österreich in außerfamiliärer Kinderbetreuung - was klar zeige, dass der Kindergarten in Österreich eine weitgehend "akzeptierte Einrichtung" sei.

Vor allem in Österreich gebe es einige Hindernisse, die in Zusammenhang mit der Inanspruchnahme der Väterkarenz zu nennen sind -so etwa ein eher "traditionelles Wertesystem", aber auch wenig Verständnis für Väterkarenz auf Arbeitgeberseite. In Frankreich, in dem ebenso wie in Österreich Hausarbeit und Kinderbetreuung vorwiegend als Frauensache angesehen werde, sei es durch die Einführung der Väterquote gelungen, die Väterbeteiligung stark anzuheben, hob Dörfler hervor. In Norwegen würde der Ausfall des höheren Einkommens durch einkommensabhängige Geldleistungen kompensiert, während in Schweden seit Jahren öffentlich finanzierte Maßnahmen zur Erhöhung der Väterbeteiligung erfolgreich seien, nannte Dörfler wichtige Motivatoren für die Inanspruchnahme der Väterkarenz.

Eine zunehmende Erwerbsorientierung der Frauen gehe einher mit einer ungebrochenen männlichen Erwerbsorientierung, während auf der anderen Seite auch ein zunehmender Wunsch der Männer nach aktiver Vaterschaft zu orten sei, dem allerdings die Werthaltung gegenüberstehe, dass Väter die Familie ernähren müssen. Dieses Spannungsverhältnis würde auch durch eine Umfrage belegt, die danach fragte, was ein guter Vater in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes für die Familie tun solle: So meinten zwar 97 Prozent der Befragten, dass Väter die Familie finanziell absichern sollen, gleichzeitig aber treten 94 Prozent dafür ein, dass sich Väter gleichberechtigt und eigenverantwortlich um das Kind kümmern sollen. All dies bringe enorme Spannungen in die Vereinbarungsfrage, verdeutlichte Dörfler.

In Österreich seien ganze 56 Prozent der Frauen mit Kind unter vier Jahren nicht erwerbstätig, während dieser Prozentsatz etwa in Schweden bei nur 27 Prozent liege, zeigte Dörfler auf, die darauf verwies, dass Schweden und Norwegen nur einen relativ kurzen Karenzurlaub hätten, was maßgeblichen Einfluss auf die Dauer der Erwerbsunterbrechung habe. Weiters habe Schweden mit 73 Prozent auch eine sehr hohe Frauenerwerbs-Partizipation zu verzeichnen, so Dörfler abschließend, dass Österreich auch hier von den Besten lernen könne. (Schluss) mb

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