SPÖ-Neujahrskonferenz: Beruf und Familie - "Lernen von Besten"

IHS-Leitner: Kleinkinderbetreuung in Finnland und Dänemark viel besser

Wien (SK) - Eine Vergleichsstudie der Länder Österreich, Dänemark und Finnland zur Frauenerwerbstätigkeit und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie präsentierte Andrea Leitner vom Institut für Höhere Studien (IHS) Donnerstag bei der SPÖ-Neujahrskonferenz. Wesentliche Ergebnisse: Die Frauenerwerbsquote ist in Österreich im Vergleich zu Dänemark und Finnland stark familienbestimmt; es gibt geringe Kinderzahlen bei Frauen mit hohen Qualifikationen, und im Vergleich zu den nordischen Ländern gibt es in Österreich sehr lange Berufsunterbrechungen, die zu einem Karriererisiko der Frauen und zu Kinderhemmnis führen. Außerdem funktioniert die Kleinstkinderbetreuung in Finnland und Dänemark wesentlich besser als bei uns. Das Motto dieses Panels der SPÖ-Neujahrskonferenz lautete:
"Lernen von den Besten: Maßnahmen für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie". ****

Tatsache sei, dass in den nordischen Ländern Frauenerwerbstätigkeit ein "akzeptiertes Faktum" ist; die Quote nehme in Zeiten der Rezession zwar ab, aber nicht mehr als bei den Männern. In Österreich sei die Erwerbssituation sehr stark von der Familiensituation geprägt. Das österreichische Sozialsystem biete sehr viele Anreize für Frauen, das Arbeitsleben zu unterbrechen. Zu den Geburtenzahlen sei festzustellen, dass diese in allen drei Ländern sinken, in Finnland jedoch weniger als in den anderen Ländern. In Österreich habe sich die Geburtenzahl von 1960 bis 2003 halbiert, statt 2,6 seien es im Schnitt nun nur mehr 1,3 Kinder.

Verglichen wurden in der Studie auch die Vereinbarkeitsstrategien:
Während der Mutterschutz überall sehr ähnlich gestaltet ist, gibt es in Finnland und Dänemark ein bis zwei Wochen Freistellung für Väter. Insgesamt beläuft sich die Freistellung in Dänemark auf ein Jahr, in Finnland auf bis zu drei Jahren und in Österreich auf 2,5 bzw. drei Jahre. In Dänemark ist die finanzielle Unterstützung einkommensabhängig (zumindest 80 Prozent des Einkommens), in Finnland acht Monate einkommensabhängig, für den Rest gibt es einen Fixbetrag.

Kinderbetreuung in Finnland und Dänemark besser

Der größte Unterschied aber, so Leitner, liege in der Betreuung der Kleinstkinder. Hier sei die Situation in den Vergleichsländern "viel besser". Außerdem kenne man das Problem der langen Berufsunterbrechung für einen Wiedereinstieg nicht. In Österreich gehen ein Drittel der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen auf diese Berufsunterbrechungen zurück; in Dänemark und Finnland gebe es auch Unterschiede, aber diese seien nicht so gravierend und gehen nicht auf die Berufsunterbrechung zurück. Weiteres Ergebnis: "In den nordischen Ländern packen die Männer mehr mit an, als in Österreich, aber immer noch nicht genug", so Leitner.

Schlussfolgerungen Leitners: Das Kindergeld nehmen v.a. weniger qualifizierte Frauen in Anspruch, die über weniger Chancen verfügen und die damit ihre Chancen noch weiter vermindern. Die derzeit widersprüchlichen Regelungen - Anreize zum zu Hause bleiben und Anreize zum Widereinstieg - müssten durch eine konsistente Lösung ersetzt werden. Es müsse noch mehr Anreize für Männer geben, ihren Teil zu übernehmen, und Berufskarrieren für Frauen müssen möglich sein. (Schluss) cs

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