SPÖ-Neujahrskonferenz - Schaunig: Beruf und Familie statt Beruf oder Familie

Diskussion über Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wien (SK) - "Von den Besten lernen" will die SPÖ bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bei der SPÖ-Neujahrskonferenz wurde bei der Diskussion am Donnerstag Nachmittag schnell klar, wer die Besten in Europa sind: die skandinavischen Staaten, mit gut ausgebauten Kinderbetreuungseinrichtungen, generell hoher Erwerbstätigkeit und hoher Frauenerwerbsquote. Kärntens Landeshauptmannstellvertretin und SPÖ-Vorsitzende, Gabi Schaunig kritisierte die rückwärtsgewandte Politik der österreichischen Regierung: "In Österreich gibt es nur die Wahl zwischen Beruf oder Familie." Das Ziel müsse es freilich sein, dass beides möglich ist. ****

Schaunig, die auch das SPÖ-Kompetenzteam Soziales leitet, berichtet über eine Studie, die in Kärnten im Jahr 2004 die Situation von Männern und Frauen in ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld erhoben hat. Unter den 30- bis 39-Jährigen fühlen sich 21 Prozent der Männer "sehr stark belastet", und 43 Prozent der Frauen. Dieser Wert steigt bei geschiedenen Frauen auf 49 Prozent und bei arbeitslosen auf 92 Prozent. Schaunigs Fazit: Das objektiv erhobene Manko bei den Kinderbetreuungseinrichtungen spiegelt sich im Befinden der Frauen direkt wider.

Demgemäß wünschen sich ein Drittel der Befragten (30 bis 44 Jahre) mehr Betreuungseinrichtungen, 35 Prozent beklagen Probleme mit den zu kurzen Öffnungszeiten und 50 Prozent beklagen Defizite bei der Betreuung von Kleinkindern. Schaunig: "Es funktioniert nur, weil es einen geheimen Generationenvertrag der Frauen gibt", dass die Großmütter bei der Kinderbetreuung einspringen. Die für Kärnten erhobenen Werte sind nach Überzeugung von Schaunig für ganz Österreich gültig.

Die Wertigkeiten der Regierung ließen sich unter anderem an der Steuerreform ablesen, setzte Schaunig fort. Das steuerlich günstigste Familienmodell ist der Alleinverdiener mit Frau und Kindern. Aussagekräftig ist für Schaunig auch, dass die Regierung sofort nach ihrem Antritt die zuvor bestehende Anstoßfinanzierung vom Bund für Kinderbetreuungseinrichtungen gestrichen hat. In dieses Bild passe auch der Dienstleistungsscheck, statt Vollzeitbeschäftigung von Frauen werden prekäre
Beschäftigungsverhältnissen ohne soziale Absicherung gefördert.

In den Ländern, wo die Vereinbarkeit von Beruf und Familie funktioniert, werde Kinderbetreuung als Bildungsangebot und generell als öffentliches Gut gesehen. Und es gebe deutlich weniger gesellschaftliche Vorbehalte gegen die außerhäusliche Kinderbetreuung, erläuterte Schaunig. Sie will für Österreich in diesem Bereich einen Quantensprung: "Wir brauchen einen Paradigmenwechsel und einen Rhetorikwechsel."

Denn für Schaunig steht fest: Die jungen Männer und Frauen wollen beides, Beruf und Familie. Die österreichische Regierung habe die Lage für die Jungfamilien noch verschlechtert. Aber, so Schaunig in einem optimistischen Schlusswort: "Wir stehen kurz davor, dass es wieder besser wird."

Maria Berger, SPÖ-Delegationsleiterin im EP, leitete die Diskussion. Sie betonte, dass in den skandinavischen Staaten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durchaus auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen werde, nämlich als entscheidender Wettbewerbsvorteil. Und sie betonte: Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie veränderte in diesen Ländern die gesamte Kultur. Beispiel: Ein Minister sei zurückgetreten, weil er mehr Zeit für seine Kinder haben wollte. (Schluss) wf

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