Sprachlosigkeit in Mauerbach

Der Vierfachmord des Familienvaters in Mauerbach wirft Fragen und Unverständnis auf. Was kann Auslöser für solch eine Tragödie sein? Sind immer Männer die Täter?

Wien (OTS) - Die Nachricht über den Vierfachmord in Mauerbach, bei dem ein Vater vier seiner Töchter umgebracht hat, seine Ehefrau schwerverletzt hat und sich anschließend selbst gerichtet hat, hinterlässt Unverständnis und Sprachlosigkeit. Der Mann sei unauffällig gewesen, einzig wurde als möglicher Auslöser dieser Tat in den Medien die bevorstehende Übersiedelung genannt.

Auslöser für einen derartigen Amoklauf können oft Umstände sein, die von außen betrachtet zwar widrig sind aber im Normalfall nicht zu einer solchen Reaktion führen. Der scheinbare Auslöser und die Tat sind so unverhältnismäßig weil die adäquaten Bewältigungsstrategien, die notwendig sind, um mit den realen Verhältnissen zurecht zukommen, nicht eingesetzt werden konnten. Innerlich dürften die eigenen Möglichkeiten des Vaters, die Situation bewältigen zu können, erschöpft gewesen sein, selbst wenn man das von außen oft nicht leicht erkennen kann.

Oft sind es gerade die Männer denen das Aussprechen der eigenen Probleme schwer fällt. Im Gegensatz zu den Frauen, die oft leichter in der Lage sind, sich anderen mitzuteilen, versuchen Männer bis zuletzt auch die schwierigsten Situationen ohne Hilfe anzunehmen zu lösen. Diese Tendenz lässt sich auch an der Ratsuchenden bei der telefonischen BÖP - Helpline des Berufsverbandes österreichischer Psychologinnen und Psychologen kontaktieren ablesen: 72% sind Anrufe von Frauen, nur 24, 5% der Anrufe werden von Männern getätigt.

Dazu Dr. Cornel Binder-Krieglstein, Vorstandsmitglied des Psychologenverbandes: "Besonders Angehörige werden oft von scheinbar plötzlichen Taten von Familienmitgliedern überrascht. Wichtig ist es, auch schon auf kleine Anzeichen zu achten und vor allem das tägliche, wenn auch kurze, Gespräch untereinander zu pflegen, um sich langsam aufbauenden Krisen frühzeitig zu erkennen." Und der Psychologe weiter: "Unterstützung und Hilfe auch von PsychologInnen, vor allem vorbeugend, aufzusuchen ist generell in Österreich immer noch die Ausnahme".

Die telefonische BÖP- Helpline des Berufsverbandes der österreichischen PsychologInnen ist unter 01 407 91 92 zu erreichen und unterstützt auch bei Krisenfällen rechtzeitig geeignete Hilfe zu vermitteln.

Rückfragen & Kontakt:

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Mag. Malou Thilges, Pressebereich
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