AK: Corporate Governance Kodex wenig mutig

Managergagen bleiben weiter geheim - AK fordert: "Wir brauchen endlich Signale, Frauen in Führungspositionen zu fördern"

Wien (OTS) - "Der Corporate Governance Kodex 2006 ist wenig mutig. Die Weigerung der freiwilligen individuellen Offenlegung der Vorstandsgagen, wie international durchaus üblich, ist unverständlich", kritisiert AK Experte Heinz Leitsmüller die heute präsentierte Novellierung. Die Empfehlungen der EU wurden nur in Teilen übernommen - nach heftigen Protesten der Industrie, denen der zuständige Regierungsbeauftragte Schenz nicht standhalten konnte. Die individuelle Veröffentlichung der Vorstandgehälter bleibt weiterhin nur eine Empfehlung, während Deutschland bereits einen Schritt weiter ist und dies gesetzlich verankert hat. Die Arbeiterkammer kritisiert auch, dass wieder einmal verabsäumt wurde, im Sinne eines "Diversity Management" eine ausgewogene Verteilung der Aufsichtsrats- sowie Vorstandmandate auf Männer und Frauen anzustreben: "Wir brauchen endlich klare Signale, um Frauen in Führungspositionen zu fördern", so Leitsmüller. Im Corporate Governance Kodex 2006 werden keine entsprechenden Signale gesetzt, wie zum Beispiel eine Comply-or-Explain Regel.

Der Österreichische Corporate Governance Kodex gilt seit mehr als drei Jahren: Alle börsennotierten Unternehmen sollten sich freiwillig verpflichten, ihre Unternehmenssteuerung und -kontrolle nach strengeren Regeln auszulegen, als es das Aktienrecht vorsieht. Dadurch soll das Vertrauen der Anleger in den Kapitalmarkt wieder hergestellt werden. Jedoch zeigt eine aktuelle AK Studie: Mehr als die Hälfte der börsennotierten Unternehmen ignoriert den Kodex. Nur elf Unternehmen haben sich bisher an diese Empfehlung gehalten, wie die AK Studie bei 79 untersuchten Aktiengesellschaften ergab.

In einem Entwurf des Kodex vom Sommer 2005 war auch geplant, neben der individuellen Veröffentlichung der Vorstandsgehälter zusätzlich Abfindungen, variable und fixe Anteile, Pensionen etc. zu veröffentlichen. Das hätte auch den EU-Empfehlung entsprochen. Dieser Entwurf wurde jedoch nach massiven Protesten der Industrie wieder zurückgenommen und auf die "Grundsätze der Gehaltspolitik" reduziert.

Laut einer Studie der AK sind Frauen in den Aufsichtsräten und Vorständen der börsenotierten Gesellschaften weiterhin die Ausnahme. Nur 25 von 540 Aufsichtsratsmandaten auf der Kapitalseite sind weiblich besetzt, bei 230 Vorständen finden sich nur 7 Frauen. In Norwegen sowie in der Schweiz sind diesbezüglich auf gesetzlicher Ebene Maßnahmen ergriffen worden, in Schweden wurde im Juli 2005 eine entsprechende Regelung in den Corporate Governance Kodex aufgenommen. Die Arbeiterkammer fordert, dass Österreich diesen Vorbildern folgen und im Corporate Governance Kodex eine Comply-or-Explain-Regel verankern soll. Demnach ist im Sinne des "Diversity Management" eine ausgewogene Verteilung der Aufsichtsrats- sowie Vorstandsmandate auf Männer und Frauen anzustreben.

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