Geriatrie: Ärztekammer gegen ministerielle Ho-Ruck-Aktion bei Ärzteausbildung

ÖÄK gegen unkoordinierte Ausbildungscurricula in Geriatrie - interdisziplinärer Diskurs statt "politischer Schnellschuss" gefordert

Wien (OTS) - Als "unkoordinierte Ho-Ruck-Aktion" hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, heute den Plan des Gesundheitsministeriums bezeichnet, für einzelne medizinische Fächer neue geriatrische Zusatzausbildungen aus dem Boden zu stampfen. Das Vorhaben, dreijährige Spezialausbildungen in Geriatrie für Internisten, Neurologen, Psychiater und physikalische Ärzte im Zuge der Neuregelung der Ärzteausbildungsordnung zu etablieren, sei "nicht mit der Ärztekammer akkordiert, mehr als undurchdacht und uns völlig unverständlich", kritisierte der ÖÄK-Präsident in einer Aussendung am Donnerstag. Durch die angestrebte Regelung würden Allgemeinmediziner und andere ärztliche Fachgruppen mit breitem Erfahrungsschatz in der Versorgung alter Menschen von einer Zusatzqualifikation quasi ausgeschlossen. Er halte diesen Ansatz für "wenig sinnvoll", distanzierte sich Brettenthaler vom Vorhaben des Ministeriums.

In der Ärztekammer sei man "mehr als irritiert über diesen politischen Schnellschuss", zumal die von der ÖÄK entwickelte neue Ärzteausbildungsordnung seit weit über einem Jahr im Ministerium zur Unterschrift liege und jetzt quasi in letzter Minute diese "unausgegorene Idee" auf den Tisch komme, erklärte auch der Bildungsreferent der ÖÄK, Dr. Terje Hovdar. Es hätten in dieser Zeit genügend Gesprächsmöglichkeiten bestanden, aber weder die Österreichische Ärztekammer, noch die wissenschaftlichen Gesellschaften für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Physikalische Medizin seien im Rahmen einer Begutachtung vorweg in die Pläne des Ministeriums eingebunden worden. Dies obgleich man dem Ministerium schon im Vorjahr angeboten habe, zum Thema Geriatrie einen interdisziplinären Konsens im Rahmen der Kammer unter Einbindung aller in der geriatrischen Versorgung etablierten Fächer und ein Strukturkonzept zu erarbeiten.

Die Betreuung alter Menschen sei zwar das Thema der Zukunft in der Medizin. "Allerdings muss man sich dazu interdisziplinär an einen Tisch setzen, Betreuungsszenarien und Notwendigkeiten zwischen allen in der Altersmedizin tätigen Ärztegruppen und anderen Berufsgruppen durchdiskutieren und nicht in einer Nacht-und -Nebel-Aktion an allen vorbei für eine kleine Lobby ein neues 'Taferl' erfinden", so Hovdar. Fachvertretungen und wissenschaftliche Gesellschaften lehnten die ministerielle Initiative einheitlich ab. In diversen Protestschreiben hätten die wissenschaftlichen Gesellschaften bereits einen von der Österreichischen Ärztekammer moderierten interdisziplinären Diskussionsprozess zu diesem Thema eingemahnt.

Brettenthaler und Hovdar forderten das Gesundheitsministerium erneut auf, die von der ÖÄK vorgelegte neue Ärzteausbildungsordnung endlich zu unterzeichnen, die seit elf Jahren überfällig sei, und auf den "unausgegorenen Plan dreijähriger Zusatzausbildungen" zu verzichten. "In der Versorgung der alten Menschen muss dann dringend der interdisziplinäre Dialog aufgenommen und durchgeführt werden, der durch den Obersten Sanitätsrat und das Ministerium bis dato sträflich vernachlässigt wurde", so Brettenthaler abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE0001